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2000 Mai 26. Aus der Südostschweiz.
Schwanden: Aldo Masanti
Es ist ein Schnitter, der heisst Tod,
hat Gwalt vom grossen Gott.
Heut wetzt er das Messer,
es schneidt schon viel besser,
bald wird er drein schneiden,
wir müssens nur leiden:
hüt dich, schöns Blümelein !
Volkslied aus dem Jahr 1683
So plötzlich und unvermutet ist der Schnitter Tod über Aldo Masanti hereingefallen und hat sein Herz still gelegt. Ein so urplötzliches Verschwinden eines 66-jährigen unternehmungslustigen tatkräftigen Menschen bringt uns in grosse Trauer, ja in Verwirrung. Und wie erst wirkt diese Botschaft auf seine Frau Luce und seine Töchter Tanja und Marzia. Da braucht es Zeit und viel Kraft und Glauben, um das Leben weiter zu meistern: Hüt dich, schöns Blümelein !
Der Vater von Aldo wuchs in Pianello am Comersee auf. Er erlernte das Maurerhandwerk und machte sich mit andern Männern auf Arbeitssuche. Zu Fuss über den Splügen, wo es Arbeit gab, verweilte man; schliesslich landete er in Mitlödi, wo er einen Maurerbetrieb eröffnete. Hier fand er auch seine Frau Philomena Largo. Neben den Töchtern Rösi und Ida traten die beiden Söhne Remo und Aldo ins Geschäft ein, das sich durch Kreativität, aber auch durch überaus soziale Einstellung der Arbeiterschaft gegenüber im Laufe der Jahre zu einer anerkannten grösseren Baufirma entwickelte. Viele Arbeiten im Kanton zeugen von ihrer Tätigkeit, z. B. das Dorfzentrum Schwanden, aber auch die bedeutenden Lawinenverbauungen und die anspruchsvollen Arbeiten an den Tunnels der Walenseestrasse. Man fällte auch sehr grosszügige Entscheide: So war die Uebernahme der Maurerarbeiten am Hänggiturm in Ennenda ein wirkilches Wagnis. In Schwanden baute er für seine Frau Luce Michel ein schönes Haus, das von den Töchtern Tanja und Marzia mit Leben erfüllt wurde.
Es war Aldos Wunsch, den Geburtsort seines Vaters kennen zu lernen. Besonders da sein Vater dort Reben und eine Grotte besass, wurde Pianello immer öfter besucht. Die Grotte wurde zum Haus umgebaut, und mit grosser Leidenschaft entwickelte sich Aldo zu einem ausgezeichneten Weinbaufachmann. Meine Frau und ich waren als Traubenpflücker dabei. Alles war ganz einfach eingerichtet. Man stieg damals in die mit Trauben gefüllte Tina, begann zu stampfen und versank bis zur Brust im süssen, klebrigen Traubenmeer ! Am Anfang war es Nostrano (im Volksmund „Chatzeseiggeler“ genannt), Aldo aber gab keine Ruhe, bis er den Weinberg in edlen Merlot umgewandelt hatte. Einmal erreichte sein Wein von 120 Wettbewerbswinzern den ersten Rang !
Und noch waren seine südlichen Sehnsüchte nicht gestillt. Er zog nach Teneriffa und baute dort ein Haus mit viel Umschwung. Er legte die Maurerkelle zur Seite, und die Brüder übergaben die Firma dem langjährigen Mitarbeiter Fritz Trümpi. Aldo pflückte nun frohgemut die köstlichen Früchte der südlichen Erdgegend: Feigen, Orangen, Zitronen und Bananen. Und ja nicht zu vergessen ist: Auch hier pflanzte er Reben. Er konnte mit der Frau Luce, die ihm immer hilfreich zur Seite stand, mit Blick auf das in Abendröte funkelnde Meer mit dem goldgelben „Tenerifferwein“ anstossen. Ach, kann das Leben schön sein !
Aldo war ein richtiger Unternehmer. Seine Hingabe an die Familie, seine grossen Kenntnisse in der Bauwirtschaft, seine Hingabe für den Wein- und Obstbau, aber auch sein lebhaftes Interesse an den Fragen der Wirtschaft und der Politik, ja nach dem Sinn des Lebens überhaupt füllten sein Leben aus.
Aber eins ist sicher: Kaum im Himmel angekommen, erkundigt er sich unverzüglich nach den „himmlischen Weinbergen“. Dort kann er nun, unbeschadet von Regengüssen und Hagelschlägen, einen wunderbaren Nektar keltern ! Fritz Kamm