Henneberg aus Sinsleben, ein Selbstmörder

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clarissa1874
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Henneberg aus Sinsleben, ein Selbstmörder

Post by clarissa1874 » Tue 22. Oct 2019, 10:57

Zufallsfund:

"Im Jahre Ein Tausend Acht Hundert und Sieben und Zwanzig (1827), am siebenzehnten, 17ten) Mai, Morgens um zwi (2) Uhr, starb auf dem Felde bey Sinsleben der Cuirassier von der dritten Esquadron des 7ten Cuirassier=Regiments, August David Methusalem Henneberg, und wurde am 18ten Juni [so!] Morgens um 10 Uhr auf dem Gottes Acker außerhalb des Orts wegen des an sich begangenen Selbstmordes in einem Winkel nach Abend zu beerdigt. Er war zu Sinsleben am 4ten August 1805 gebohren.
Der erste Selbstmord, so weit die Kenntniß des verzeichnenden Predigers Hagedorn reicht, der in Sinsleben aus Muthwillen begangen wurde, und deshalb groß Sensation machte. Schon als Knabe ließ sich dieser Selbstmörder in der Schule viel Ungehorsam gegen seinen Lehrer zu Schulden kommen, er war von Verstande sehr stumpf, und da er auch nicht die beste häusliche Erziehung genoß, so erwarbt er sich nur die aller nothdürftigsten Schulkenntniße; bey seinem Hange zur Trägheit lief er als Lehrling des Maurer Gewerks, so wie auch nachher als Lehrling des Zimmer-Gewerks seinen Lehrmeistern davon, und nährte sich von Handarbeiten, besonders von Sandgraben, bis er sich vor 3 Jahren freiwillig bey dem 7ten Königl. Preußischen Cuirassier Regiment einstellen ließ. Hier ergab er sich nach eingegangenen Nachrichten, so gut er auch seine soldaten-Pflichten erfüllte, nebenbey dem Trunk, der Spielsucht und der Wollust und sagte, um diesen Leidenschaften zu fröhnen, seine armen Eltern von Zeit zu Zeit in Contribution, welche, so sauer es ihnen auch geworden ist, an 30 (Taler?) baar Geld hingegeben haben. Dies war auch in der Nacht vom 16ten zum 17ten Mai c. der Fall, wo er mit einem geliehenen Pferde nach Sinsleben kam, und auf abermalige Auszahlung von 4 (Taler?) drang, die aber die Eltern in der Nacht nicht herbeischaffen konnten. Unwillig darüber sagt er ihnen und mehreren seiner Bekannten Lebewohl, und entleibte sich durch einen Pistolenschuß in den Mund, in der Gegend der Sulze-Weiden. Er wurde gerichtlich aufgebahrt [?] und da die Eltern von ihm nichts wißen wollten, während der Nacht vom 17ten zum 18ten in dem Sprizzenhause aufbewahrt und theils auf Kosten des Regiments, theils auf Kosten der hiesigen Armen Kasse am 18ten Mai bloß durch den Todtengräber und durch die Todtenfrau auf den Gottes Acker geschafft. Mit Grund der Wahrheit kann man sagen, daß eine Giftschlange in ihm erstickt ist, und in ihrer Umgebung noch viel Unglück hätte anrichten können. Sehr richtig haben seine Lehrer ihn bey seinem Abgange von der Schule beurtheilt, da sie ihn mit der ... (?): Es sey viel von ihm und viel für ihn zu fürchten. Ein gerichtliches Zeugniß über seinen Tod ist dem Prediger eingehändigt, und befindet sich bey den Acten die Todten Listen betreffend."

Quelle:
Bestattungen der evangelischen Kirchengemeinde Sinsleben, Landkreis Harz, 1827, S.148, Nr. 7

Der Vollständigkeit halber noch sein Taufeintrag:

August David Methusalem Henneberg
* 04.08.1805 um 5.00 h in Sinsleben "mit Beyhilfe der approbirten Hebamme der Papenberg glücklich entbunden"
Vater: Ernst Henneberg, Einwohner, Arbeitsmann und Kürassier unter dem Regiment von Quitzow
Mutter: Louisa geb. Pfau, beide wohnhaft in Sinsleben
~ 08.08.1805 in Sinsleben durch Prediger Hagedorn
Paten:
1) David Oehlgart, Einwohner und Anspänner
2) Methusalem Hartmann, Einwohner und Anspänner
3) Frau Auguste Hagedorn geb. Döhler, "des zeitigen Prediger Daniel Hagedorn zu Sinsleben Ehegenossin"
4) Frau Klara Säger geb. Weitsch, "des zeitigen Pächters des Rieseschen Gasthofs zu Sinsleben Friedrich Säger, Ehefrau"
Randvermerk:
3. Kind, konfirmiert in Sinsleben, wurde am 20.06.1824 preußischer Kürassier unter dem Regiment zu Halberstadt eingekleidet "und entleibte sich am 17ten Mai 1827 durch einen Pistolenschuß auf dem Felde bey Sinsleben", 3 Kreuze

Quelle:
Taufen der evangelischen Kirche Sinsleben, Landkreis Harz, 1805, S. 274, Nr. 8



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