Guldin von St.Gallen SG

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Guldin von St.Gallen SG

Beitrag von Wolf » Mo 2. Okt 2023, 21:38

Aus gegebenem Anlass bin ich Angaben im Historischen Familienlexikon der Schweiz einmal nachgegangen
Melchior Guldin‏‎
Sohn von Ulrich Guldin und Katharina Stauder‏
Verheiratet(2) ‎16 Nov 1563 in St.Gallen
‎Anna Hiller‏‎, Tochter von Sylvester Hiller und Anna Fluri‏.
Geb. ‎1 Sep 1543 in St.Gallen / Gest. ‎17 Sep 1611 in St.Gallen
Kinder:
3. Melchior Guldin‏‎, verheiratet mit ‎Ursula Schärli‎
Geb. ‎13 Mrz 1571 in St.Gallen / Gest. ‎6 Jun 1645 in Amsterdam
>>> Sohn: ‎Joachim Guldi‏‎
Geb. ‎11 Nov 1601 in St.Gallen / Gest. ‎in Bern / Naturalisiert (‎1625 in Bern)
5. ‎Paul Habakkuk Guldin‏‎, Verbindung mit ‎N.N.‎
Geb. ‎12 Jun 1577 in St.Gallen / Gest. ‎3 Nov 1643 in Graz
>>> Sohn: Hans Joachim Guldin‏‎, verheiratet mit ‎Susanna Tribolet‎
Geb. ‎ca. 1601 in St.Gallen / Gest. ‎in Bern / Naturalisiert (‎6 Jun 1633 in Bern)
Das ‎HLS berichtet dazu
Nach der Ausbildung zum Goldschmied konvertierte [Habacuc] in Freising, trat als Laienbruder in den Jesuitenorden ein und nahm den Namen Paul an. 1597-1609 war er in versch. Kollegien der Oberdt. Provinz tätig.
Das schliesst einen Sohn Hans Joachim * um 1601 in St.Gallen nicht aus - spricht aber auch nicht unbedingt dafür.

Laut Stemmetologia Sangallensis ("page 159") entstammen der Ehe von Melchior Guldin (1529-1594) und Anna Hiller (1543-1611) u.a.
13.03.1571 Melchior ("page 162") und
12.06.1577 Habacuc - für ihn werden weder eine Heirat noch Kinder aufgeführt.
Bei Melchior wird mit Datum 11.11.1601 Joachim aufgeführt - mit (in anderer Handschrift später nachgetragenem) Vermerk "1635 Burger in Bern (#825)". Der Vermerk bezieht sich evtl. auf die Taufe am 04.02.1635 eines Hans Joachim Guldin, Sohn des Hans Joachim Guldin und der Susanna Tribolet, die nach St.Gallen gemeldet wurde.

Die Taufe von Hans Jochem am 11.11.1601 findet sich im Taufbuch St.Gallen ("page 251"). Eine weitere Taufe eines Joachim Guldin finde ich im Zeitraum 1599-1603 nicht (auch in St.Mangen nicht).

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Leider kann auf die Digitalisate beim Staatsarchiv St.Gallen nicht auf einzelne Seiten verlinkt werden - es muss jeweils die "page" manuell eingegeben werden.


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Re: Guldin von St.Gallen SG

Beitrag von gmg » Mo 2. Okt 2023, 22:00

Hallo Wolf,
Vielen Dank für die Info zu St. Gallen. Ich habe einige Stunden im St. Gallener Archiv verbracht und mich noch mehr mit der online-version beschäftigt. Die Schrift ist manchmal eine echte Herausforderung! Falls es intesseriert, habe ich meine Ergebnisse auf dieser Seite zusammengetragen (ist noch "in Arbeit") https://www.wikitree.com/wiki/Space:Gul ... ch_Records

Eine Frage, die ich bisher NICHT beantworten konnte, ist ob eine Beziehung zwischen den fünf St. Gallener "Guldin", die im Historischen Familienlexikon der Schweiz mit geschätzen Geburtsdaten um 1500 gelistet sind, und dem St. Gallener Täufer Niklaus Guldin, der ebenfalls in den 1520er Jahren aktiv war - aber spätestens 1530 keine Stadtrechte mehr hatte. Kennen Sie Quellen für diese sehr frühe Zeit der Reformation in St. Gallen?


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Re: Guldin von St.Gallen SG

Beitrag von Wolf » Mo 2. Okt 2023, 22:21

gmg hat geschrieben: Mo 2. Okt 2023, 22:00Kennen Sie Quellen für diese sehr frühe Zeit der Reformation in St. Gallen?
Mit dieser Zeit habe ich mich nie besonders intensiv befasst - aber fragen Sie doch einmal bei Walter Frei nach - er ist vmtl. einer der besten Kenner der Geschichte der Täufer in St.Gallen im reformierten Umfeld. Eines seiner Angebote für Führung oder Vortrag ist
Die Täuferbewegung in St. Gallen: Unsere Stadt war um 1525 das grösste Täuferzentrum Europas. Die Entdeckung der Freiwilligkeit und der Staatsfreiheit – arm und bibelgläubig – Gemässigte und Radikale – die Massentaufe an der Sitter – Enthusiasmus, Ekstase und religiöser Wahn.


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Re: Guldin von St.Gallen SG

Beitrag von gmg » Di 3. Okt 2023, 13:02

Danke für den Tipp! Walter Frei ist tatsächlich ein wahrer Schatz - irgendwann hoffe ich noch, in St. Gallen eine von seiner Führungen mitmachen zu können. Wir haben nach meinem letzten Besuch in St. Gallen 2020 kurz korrespondiert. Walter Frei hat mir zu Niklaus Guldi (Guldin) eine schöne Zusammenfassung seiner Recherchen zukommen lassen. Darin sind "Bastli Guldin, der Vater von Niklaus und Verena Guldin, seine Schwester" erwähnt. Niklaus Guldin erwähnt selbst seine (unbenannte) Frau und Kind in einem Brief an Vadian in März 1536 erwähnt.

Aus Walter Frei's sehr empfehlenswerte "Spurensuche" ist vielleicht ein kurzer Auszug auch Anderen in dieser Runde von Interesse:
"Am Ostersonntag 16. April 1525 liess sich auch der St. Galler Weber Niklaus Guldi (oder Guldin) als Erwachsener taufen, und zwar von Wolfgang Uelimann, einem früheren Mönch.
'Niklaus Guldi hatte während fünf Jahren in der Täuferbewegung mitgewirkt und dafür viel Gefängnis auf sich genommen und die Ablehnung und den Spott der geachteten bürgerlichen Kreise verkraftet. Jetzt hatte er genug. Und ging auf Distanz zu all den kreativen Aufbrüchen und charismatischen Erfahrungen, er empfahl sich den Machtträgern in den Staatskirchen.
"Auf Empfehlung auch von Zürich beschliesst der Grosse Rat von St. Gallen am 4. Febr. 1530 tatsächlich, Niclaus Guldi auf Urfehde freizulassen."
Einige Jahren nach seiner Bekehrung und Freispruch ist er - vermutlich aus Geldmangel - Reisläufer geworden.
1535 für den grossen Feldzug von Kaiser Karl V gegen die Osmanen
1536 als einer von 152 St. Galler in das Lager von König Franz I von Frankreich
1537 ist ein in Dezember aus Othmarsingen bei Lenzburg, wo Guldin eine kurzzeitige Stelle als "Schulmeister" innehat, an Vadian in St. Gallen gesendeter Brief das letzte Lebenszeichen, das Walter Frei in seine ausführliche Recherchen entdeckt hat.

Eine Beziehung zu den fünf im Stemmatologia Gallenesis erwähnten Guldin Männer (Melchior, Balthasar, Ulrich, Gallus und Caspar) - falls es eine gegeben hat - bleibt ein Mysterium. Es gibt ein unbelegtes Ancestry Stammbaum, in dem Ulrich Guldin (d. 1579) als Sohn von Niklaus angegeben wird. (https://www.ancestry.co.uk/genealogy/re ... -24-fnv5fw). Dies scheint mir unwahrscheinlich. Ulrich Guldin ist lt. Stemmatologia Gallenesis bereits am 1. Mai 1528 verheiratet. Wir wissen leider nicht, wann Niklaus geboren wurde. Wenn er z.B. 1493 zur Welt kam, bei seiner Taufe 28 Jahre alt aber bereits seit ca. 1510 verheiratet und kurz danach Vater, wäre nicht 100% auszuschließen, dass er 1528 einen gerade noch heiratsfähigen Sohn haben könnte. Aber eine Frau und ein Kind wird lt. Walter Frei von Niklaus erst 1536 erwähnt, nachdem er Reislaufer geworden ist. Sie tauchen in keiner der früheren Akten auf. Außerdem würde das theoretische Geburtsjahr 1493 bedeuten, dass Niklaus erst mit 38 seine Karriere als Soldat angetreten ist. Beides spricht dagegen, dass Ulrich als Sohn von Niklaus in Frage kommt - aber ausschließen kann man es ohne weitere Belege leider nicht!

Die Suche geht weiter! Falls jemand eine Idee hat, bitte melden!


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Niklaus Guldin von St.Gallen SG

Beitrag von Wolf » Mi 7. Okt 2026, 11:23

gmg hat geschrieben: Di 3. Okt 2023, 13:02 "Auf Empfehlung auch von Zürich beschliesst der Grosse Rat von St. Gallen am 4. Febr. 1530 tatsächlich, Niclaus Guldi auf Urfehde freizulassen."
Einige Jahren nach seiner Bekehrung und Freispruch ist er - vermutlich aus Geldmangel - Reisläufer geworden.
1535 für den grossen Feldzug von Kaiser Karl V gegen die Osmanen
Niklaus Guldi berichtet in einem langen Brief an Vadian über ein Leben geprägt von Ausweglosigkeit, Reisestrapazen, Hunger und Krankheit, aber auch von Abenteuerlust, Siegestaumel und Kriegsbeute.


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