Eichelberger in Trub BE

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wkla
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Eichelberger in Trub BE

Post by wkla » Tue 31. Jul 2018, 15:02

Bei der Nachforschungen meiner direkten Vorfahren bereitet mir die Elisabetha Eichelberger von Trub, BE Kopfschmerzen. Ich finde alle Einträge komplett, mit Ausnahme des Taufeintrages:
Geboren am 9.1.1794 in ??
Heirat am 12.1.1821 in Muri mit HansUlrich Kühni aus Langnau iE.
Tod: 28.1.1870 in Walkringen

Heiratseintrag in Muri:
download/file.php?mode=view&id=22901

Heiratseintrag in Trub: (Eichenberger?)¨
Kirchenbuch Trub 24, Eherodel 1817-1834, Seite 39, Eintrag 91

Heiratseintrag in Langnau iE;
Kirchenbuch Langnau 26, Eherodel 1804-1836, Seite 124

Ableben in Walkringen:
download/file.php?mode=view&id=22900

Ableben Langnau:
download/file.php?mode=view&id=22897

Ich kann leider nicht mehr als 3 Anhänge anbringen.
In Walkringen wird sogar das Geburtsdatum explizit genannt, leider brauche ich aber Hilfe ob da noch mehr Informationen zum Geburtort vorliegen.
So wie es aussieht nimmt man es ausgerechnet in Trub (Bürgerort) nicht so genau mit dem Namen. Nichts desto trotz werde ich auch mit Eichenberger nicht fündig.
Danke und Gruss Walter Kläy
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wkla
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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by wkla » Sat 25. Aug 2018, 11:00

Mir ist ist aufgefallen, dass bei 2 der 3 Ehe-Einträge bei dieser Elisabeth, nicht auf den Vater referenziert wird sondern auf eine Anna.
Was könnte da bedeuten?
- Vater gestorben / Anna Eichelberger ist verwittwet?
- Elisabeth ist ein uneheliches Kind (und deshalb in keinem Taufregister)?

Beim Ehe Eintrag in Muri sind jeweils 2 Jahres Zahlen aufgeführt zu jeder Person
HansUlrich Kühni 1794/1813
Elisabetha Eichelberger 1794/1819
Die zweite Jahreszahl wird wahrscheinlich das Jahr der Konfirmation sein... Dann wäre die Elisabeth die ich such erst mit 23 konfirmiert worden?

Vielleicht hilft eine genau Übersetzung dieses Ehe Eintrages in Langnau iE mir weiter:
Heirat_LangnauiE_1820_HansUlrichKühniElisabethEichelberger.jpg
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Walter
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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by Walter » Sat 25. Aug 2018, 11:51

wkla wrote:
Sat 25. Aug 2018, 11:00
Vielleicht hilft eine genau Übersetzung dieses Ehe Eintrages in Langnau iE mir weiter:
... Elisabeth Eichelberger; der Anna uneheliche Tochter von Trub; beide zu Worb ...


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wkla
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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by wkla » Sat 25. Aug 2018, 16:34

Danke Walter,
Jetzt wo du das so schreibst sehe ich das auch...

Das gibt natürlich zusätzliche Fragen... wie ich gelernt habe müsst das Chorgericht hier getagt haben...
  • Ich vermute die Mutter die hatte Trub verlassen (müssen) und zog nach Worb. Das war zu der Zeit ein gesellschaftlicher Abstieg
  • Deshalb auch zu vermuten, die Mutter Anna hat keinen Ehemann mehr gefunden und das Eichelberger ihr Geburtsname ist oder gar mit Absicht die Variation mit Eichenberger spielt
Ein paar Wenn und Aber... trotzdem ein Blick in das Chorgerichtsmanual von Trub von 1794 wäre es wert.
Weiss jemand wie man diese kommt?

Gruss Walter



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by Peter.D » Sun 26. Aug 2018, 17:33

Hallo Walter

Gemäss Angabe des StABE befinden sich praktisch alle Chorgerichts-Manuale bei den Kirchgemeinden. Einige sind oder waren m.W. auch auf CD erhältlich, die Berner Kollegen haben dazu evtl. ein Verzeichnis.

Allerdings ist festzuhalten, dass die Berner Chorgerichte - ähnlich wie der Stillstand in Zürich oder in noch geringerem Masse der Bann in Basel - primär zur sittlichen Überwachung der Bevölkerung und Voruntersuchung von Verfehlungen in diesem Bereich dienten. Sie hatten jedoch keine wesentliche Straf- oder Urteilsbefugnis. Namentlich Vaterschaftsurteile oder Scheidungen mussten daher in Bern vom Oberen Ehegericht beurteilt werden, das auch zeitlich sehr beschränkte Gefängnisstrafen aussprechen durfte. Die entsprechenden Protokolle befinden sich im StABE.

Peter



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by John Doh » Sun 26. Aug 2018, 21:22

Die Chorgerichtsmanuale Trub gibts auf CD bei ghgb.ch zu kaufen (unter Literatur / Digital kommst Du zur Liste). Peter hat zwar recht, letztendlich waren die Ehegerichte zuständig, aber vorher wurden solche Fälle trotzdem vom Chorgericht verhandelt und ans Ehegericht wurde nur überwiesen, wenn der „Schwängerer“ nicht geständig war...



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by Peter.D » Mon 27. Aug 2018, 16:42

Vielen Dank, John, für den Hinweis auf die erhältlichen CDs der Chorgerichte. Ich habe die Kirchgemeinden nicht gezählt, aber viele dürften nicht mehr fehlen.

Auch wenn der Schwängerer geständig war, mussten die Chorgerichte gemäss den Ehegerichts-Satzungen von 1787 den Fall dem Oberen Ehegericht überweisen, das dann die Vaterschaft formell feststellte, das Kind dem Vater zuteilte und die Kostentragung verfügte. Zudem wurden Mann und Frau wegen "Hurerei" oder Ehebruch zu Bussen ab 50 Pfund oder Gefängnisstrafen ab 5 Tagen verurteilt, was das Chorgericht nicht durfte. Wer keinen Zugang zu den CDs hat oder sich wegen wenigen Eintragungen den Preis nicht leisten mag, wird daher in den gratis zugänglichen Protokollen des Ehegerichts im StABE bei Vaterschaftsklagen, Ehebruch etc. oder Scheidungen die gewünschten Informationen finden.

Die Chorgerichte hatten nur eine Strafkompetenz für Ordnungswidrigkeiten und nur bis 3 Tage Gefängnis und 10 Pfund Bussgeld. Ausserdem konnten sie Wirtshausverbote verfügen. Sie waren auch für den Einzug der vom Ehegericht verfügten Bussen verantwortlich.
Trotzdem sind die Chorgerichts-Manuale natürlich für die Genealogie von grosser Bedeutung, insbesondere weil viele mutmassliche Verfehlungen nur untersucht aber nicht zur Beurteilung ans Ehegericht überwiesen werden mussten.

Peter



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by wkla » Tue 28. Aug 2018, 14:02

Vielen Dank Peter und John für die Ausführung zur damaligen "Sittengericht".

Ich werde mich entweder in Bern im Archiv mit dem Oberen Ehegericht
https://www.query.sta.be.ch/detail.aspx?ID=81372
oder dem Chorgerichtsmanual der Kirchgemeinde Trub (CD oder Einsicht?)
auseinandersetzen müssen. Werde das versuchen mit anderen Abklärungen zu kombinieren, da ich in Zürich wohnhaft bin.

Eine Frage beschäftigt mich doch noch: Wurden uneheliche Kinder wirklich nicht getauft oder hat der Priester beim Eintrag ins Rodel diese Kinder ganz einfach übergangen?

Walter



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by Peter.D » Tue 28. Aug 2018, 17:45

Doch, auch uneheliche Kinder wurden getauft. Wenns nicht anders ging, haben die Pfarrer sogar Kinder von Andersgläubigen getauft. Die möglichst unverzügliche Taufe war der Gesellschaft ein sehr grosses Anliegen.

Nicht getauft wurden einzig totgeborene Kinder. In deinem Fall erfolgte die Taufe evtl. in einer anderen Kirchgemeinde, also z.B. in der Heimat- statt der Wohngemeinde oder umgekehrt, oder auf der Reise unterwegs - oder der Eintrag ging schlicht vergessen. In Basel mussten uneheliche Kinder zwecks Kontrolle im Spital zur Welt gebracht werden und auch dort vom Spitalpfarrer getauft werden; die Gemeindepfarrer hielten sich aber nicht immer an diese Vorschrift und tauften uneheliche Kinder z.B. auch bei der Mutter zu Hause oder in der eigenen Kirche.

Peter



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by wkla » Fri 17. May 2019, 19:56

Kollegen,
Kann mir noch jemand die Zuständigkeit des Chorgerichts erklären? Die Elisabetha Eichelberger war Bürgerin von Trub, BE und mit grosser Wahrscheinlichkeit NICHT in Trub geboren. War der Wohnort oder der Bürgerort für die Gerichtsbarkeit entscheidend?



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Re: Eichelberger in Trub BE

Post by Peter.D » Sat 18. May 2019, 16:30

Hallo Walter

Es war immer das Chorgericht am Wohn- oder Aufenthaltsort zuständig. Die Chorrichter mussten ja die "Sittlichkeit" der Bewohner überwachen, was nur vor Ort möglich war.
Eine uneheliche Geburt wurde aber mit einiger Sicherheit an den Heimatort der Mutter gemeldet, nur schon weil die Gemeinde am Aufenthaltsort nicht auf den Kosten sitzenbleiben wollte. Eventuell findet sich daher auch etwas im Protokoll von Trub. Allerdings hätte dann der Pfarrer von Trub auch die auswärtige Geburt eintragen müssen. Auffällig ist auch, wie du bereits letztes Jahr bemerkt hattest, dass die Frau erst mit weit über 20 Jahren konfirmiert wurde. Da muss irgendeine spezielle Situation bestanden haben, z.B. Aufenthalt in katholischem Gebiet oder gar in einer Wiedertäufer-Familie.

Hast du in den Protokollen des Oberen Ehegerichts von 1793 und 1794 nichts finden können?

Vor der Heirat 1821 mussten die Eheleute Verkündscheine von Trub, Langnau und Muri vorweisen. Ausserdem musste der Ehemann den sogenannten Einzug für die Frau aus einer anderen Gemeinde bezahlt haben. Ob solche Scheine heute noch in den bernischen Pfarrarchiven vorhanden sind, weiss ich nicht; nachfragen lohnt sich jedenfalls - eventuell hat da auch jemand im Forum Erfahrung.

Schliesslich würde ich auch noch im ersten Bürgerrodel von Langnau nachsehen, ob da etwas mehr zu Elisabeth steht. Mit etwas Glück ist vielleicht sogar noch die Mutter Anna Eichenberger mit ihrer Tochter im Bürgerrodel von Trub erfasst worden.

Peter



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