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Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbuch
Verfasst: Mi 12. Dez 2012, 10:17
von Peter.D
Die folgende Diskussion entwickelte sich im Thread
Deinhart von Bern BE. Da sie von der urspr. Frage wegführend allgemein in die Diskussion einmündete, wie sich Fusionen von Ortsbürgergemeinden auf die Angaben im Familiennamenbuch ausgewirkt haben, habe ich mir erlaubt, die entsprechenden Beiträge abzutrennen und diesen ersten Beitrag so zu ergänzen, dass der neue Thread lesbar wird.
Wolf hat geschrieben:Inzwischen finde ich, dass es ein Quartier Staretschwil in der Gemeinde
Oberrohrdorf AG gibt. Nach diesem Artikel gab es bis 2008 angeblich sogar eine eigene Ortsbürgergemeinde - um so erstaunlicher, dass das Familiennamenbuch (Stand 1962!) keinen einzigen Namen nennt

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---------- Ende der Einfügungen ------------
Die ehemalige Ortsbürgergemeinde Staretschwil war Teil der politischen Gemeinde Oberrohrdorf. Ich vermute, dass die Bürger von Staretschwil im FNB daher unter Oberrohrdorf zu suchen sind. Ich habe aber keinen Zugriff auf die beiden ersten Auflagen des FNB: waren dort auch Ortsbürgergemeinden separat aufgeführt, insbesondere im Aargau, Thurgau oder in St. Gallen ?
Aufgrund des Gesetzes über die Ortsbürgergemeinden von 1978 durfte im Kanton Aargau in einer politischen Gemeinde nur noch eine Ortsbürgergemeinde bestehen. Die überzähligen Ortsbürgergemeinden mussten daher fusionieren. Sonderbestimmungen gab es einzig für die beiden jüdischen Bürgergemeinden in Lengnau und Endingen.
Peter
Re: Entwicklungen bei den Ortsbürgergemeinden
Verfasst: Mi 12. Dez 2012, 17:22
von Wolf
Die Zusammenlegungen der Ortsbürgergemeinden nach 1962 sind im Familiennamenbuch natürlich nicht enthalten - zum Glück: sie spielen für die Familienforschung ja keine Rolle.
Zur Situation Staretschwil/Oberrohrdorf kann ich nicht viel sagen - ich kann nur das HLS zitieren:
Die Ortsbürgergemeinden Staretschwil und Oberrohrdorf fusionierten Anfang 2008.
Ich habe dann alle "alten" Bürgergeschlechter von Oberrohrdorf im Familiennamenbuch von 1940 nachgeschlagen: auch dort ist ausnahmslos Oberrohrdorf genannt - Staretswil scheint also schon 1935 eine "Ortsbürgergemeinde ohne Ortsbürger" gewesen zu sein

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Peter frägt nach der Situation in St.Gallen - nur ein Beispiel: Tablat wurde (als politische Gemeinde) 1918 nach St.Gallen eingemeindet - ist aber immer noch eigenständige Ortsbürgergemeinde. Laut
Geschäftsbericht 2011 wurden im Berichtsjahr 134 Neubürger aufgenommen.
Re: Deinhart von Bern BE
Verfasst: Mi 12. Dez 2012, 22:54
von Peter.D
Vielen Dank, Wolf, für dein Beispiel Tablat. Im FNB 1989 mit tatsächlichem Stand 1962 finde ich auch die ehemaligen Ortsgemeinden Bonau im Thurgau (heute Wigoltingen) oder die noch bestehende Ortsgemeinde Bözingen (politische Gemeinde Biel) sowie Olsberg als Sonderfall im Kanton Baselland. Ich vermute nun, dass im FNB 1989 alle Bürgerorte aufgeführt sind, die 1962 noch separat bestanden. Stichproben mit Ichertswil SO (fusioniert 1961), Insone (fusioniert 1956) sowie Buchthalen (fusioniert 1947 mit Schaffhausen) bestätigen diese Vermutung.
Im Kanton Aargau sind die Verhältnisse komplizierter: bis 1940 gab es nur ein Ortsbürgerrecht mit einem zugehörigen Ortsbürgerregister. Ab 1941 konnte man auch Bürger der politischen Gemeinde werden, ohne Ortsbürger zu sein. Der Zivilstandsbeamte der Gemeinde musste daher zwei Familienregister führen, bis 1961 das bisherige Ortsbürgerregister zum Familienregister der ganzen Gemeinde erklärt wurde, mit einem Vermerk, wer Gemeinde- und wer Ortsbürger war. Diese Unterscheidung wurde aber ausdrücklich nur innerhalb des Kantons Aargau vorgenommen. Wahrscheinlich hat man daher als Basis für das FNB die neuen Register (1961ff) genommen, womit Staretschwil nicht mehr separat erschien. Ähnlich verhält es sich offensichtlich mit Göslikon und Fischbach, die im FNB nur unter der politischen Gemeinde Fischbach-Göslikon erscheinen, obwohl die beiden getrennten Ortsbürgergemeinden noch bis 1997 bestanden.
Vielleicht sollte dieser Beitrag doch wieder unter Aargau verschoben werden ...
Peter
Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbuch
Verfasst: Mi 12. Dez 2012, 23:48
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Vielleicht sollte dieser Beitrag doch wieder unter Aargau verschoben werden ... Peter
Ich hoffe, Du kannst auch mit meiner Lösung leben - einen allgemeinen Thread "Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbuch" daraus zu machen

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Die gedruckte Ausgabe von 1989 beruht tatsächlich auf den Daten von 1962. Abgesehen von einigen Korrekturen sowie einer Umformatierung zur Verbesserung der Lesbarkeit ist die einzige sachliche Änderung, dass die ehemals Berner Gemeinden jetzt unter dem inzwischen gegründeten Kanton Jura laufen.
Auch die
Online-Version (auf den HLS-Seiten) gibt diese Daten wieder.
Vorsicht ist bei der CD-Version geboten: leider wurden dort Fusionen politischer Gemeinden zum Anlass genommen, auch die Ortsbürgergemeinden zu fusionieren. Ein Beispiel habe ich oben genannt: alle Familien mit Bürgerrecht Tablat SG (auch heute noch!) werden falsch als Bürger der Stadt St.Gallen angegeben.
[Neuigkeiten zur Situation St.Gallen und Straubenzell.]
Zu Fusionen vor 1962: da ich einige alte Namen von Buchthalen SH kannte, habe ich
- Bürgin
- Hangartner
- Mezger
kontrolliert: diese Familien werden in der Ausgabe von 1940 (Datenerhebung um 1935) noch als Bürger von Buchthalen geführt .... mit der Datenerhebung von 1962 dann aber als Bürger von Schaffhausen.
Re: Deinhart von Bern BE
Verfasst: Do 13. Dez 2012, 00:02
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Im Kanton Aargau sind die Verhältnisse komplizierter: bis 1940 gab es nur ein Ortsbürgerrecht mit einem zugehörigen Ortsbürgerregister. Ab 1941 konnte man auch Bürger der politischen Gemeinde werden, ohne Ortsbürger zu sein. Der Zivilstandsbeamte der Gemeinde musste daher zwei Familienregister führen, bis 1961 das bisherige Ortsbürgerregister zum Familienregister der ganzen Gemeinde erklärt wurde, mit einem Vermerk, wer Gemeinde- und wer Ortsbürger war. Diese Unterscheidung wurde aber ausdrücklich nur innerhalb des Kantons Aargau vorgenommen. Wahrscheinlich hat man daher als Basis für das FNB die neuen Register (1961ff) genommen, womit Staretschwil nicht mehr separat erschien.
Hört sich plausibel an - aber warum finde ich dann keinen Eintrag Staretschwil in der Ausgabe 1940 (Datenerfassung 1935)? Bei keinem der heutigen Oberrohrdorfer Geschlechter (seit vor 1800) finde ich Staretschwil. Wenn die obige Theorie stimmt, müssten also alle (ehemals) Staretschwiler Geschlechter vor 1962 ausgestorben sein: mir nicht als Staretschwiler bekannte Namen habe ich natürlich in der Ausgabe von 1940 nicht kontrolliert.
Aber auch auf der CD finde ich Nichts: dort sind alte Geschlechter auch eingeschlossen, wenn sie in der Ausgabe von 1940 noch genannt waren, aber nicht mehr 1962 - wäre dann wohl unter Oberrohrdorf geschehen, aber mit dem Hinweis "ex Staretschwil".
Re: Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbu
Verfasst: Do 13. Dez 2012, 09:15
von Peter.D
Hallo Wolf, ja - das hätte ich auch erwartet in der ersten Ausgabe.
Kannst du noch die Beispiele Dättwil (fusioniert 1962) und Lauffohr (fusioniert 1970) in der Auflage von 1940 nachsehen? Erscheinen die dort noch als eigenständige Bürgerorte?
Peter
Re: Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbu
Verfasst: Do 13. Dez 2012, 13:16
von Astacus
Als ergänzende Informations-Quelle, könnte auch diese Seite
und die dort vermerkten, weiterführenden Links,
von Nutzen sein:
Aufgehobene politische Gemeinden der Schweiz
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufgehoben ... er_Schweiz
Andreas
alte Geschlechter von Lauffohr AG
Verfasst: Fr 14. Dez 2012, 00:12
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Kannst du noch die Beispiele Dättwil (fusioniert 1962) und Lauffohr (fusioniert 1970) in der Auflage von 1940 nachsehen?
Büchler, Eichenberger, Finsterwald, Hirt, Märki, Müller, Nussbaum, Stolz
erscheinen allesamt in der Buchausgabe 1989 (Datenerfassung 1962) mit Lauffohr als Bürgerort - wie nicht anders zu erwarten, da die Fusion ja nach 1962 erfolgte. Die Buchausgabe 1940 habe ich deswegen gar nicht mehr kontrolliert.
Erwähnt sei noch, dass Märki zusätzlich auch als Bürger von Brugg (seit vor 1800) erwähnt werden. Weiter sind Schwarz alte Bürger von Brugg, während in Lauffohr eine aus Villigen stammende Linie erst 1861 eingebürgert wurde.
alte Geschlechter von Dättwil AG
Verfasst: Fr 14. Dez 2012, 00:41
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Kannst du noch die Beispiele Dättwil (fusioniert 1962) und Lauffohr (fusioniert 1970) in der Auflage von 1940 nachsehen?
Angaben in der Buchausgabe von 1940:
- Anner: Dättwil a / Baden nicht genannt
- Busslinger: Dättwil a / Baden nicht genannt
- Kaiser: Dättwil a / Baden nicht genannt
- Kreider: Dättwil a / Baden nicht genannt
- Meier: Dättwil a / Baden a
- Suter: Dättwil a / Baden a
In der Buchausgabe 1989 sind alle Familien mit "Baden a" angegeben - die Fusion von 1962 wurde bei der Datenerfassung 1962 also schon einbezogen.
Dass Meier seit vor 1800 Bürger von Dättwil und Baden waren, ist bei diesem häufigen Namen keine besondere Überraschung.
Suter sind ebenfalls seit vor 1800 Bürger von Dättwil und Baden, aber in Baden wurde zusätzlich 1856 eine aus Dättwil stammende Linie eingebürgert.
Re: Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbu
Verfasst: Fr 14. Dez 2012, 10:46
von Peter.D
Ich danke Wolf für seine Abklärungen in den verschiedenen Ausgaben des FNB.
Der Gemeindeschreiber von Oberrohrdorf hat mir unterdessen noch bestätigt, dass es tatsächlich Bürger von Staretschwil gab; er nannte die Geschlechter Attiger, Holenweger und Kaufmann als typische Beispiele. Auch der heute zuständige Zivilstandsbeamte in Mellingen kann sich das Fehlen von Staretschwil in allen Ausgaben des FNB nicht erklären.
Wenn ich mich recht erinnere, erhielten die Redaktoren des FNB die Angaben von den Zivilstandsämtern. Eine mögliche Erklärung wäre daher, dass der damalige kommunale Zivilstandsbeamte für die Meldung die Bürger beider Ortsgemeinden einfach unter Oberrohrdorf zusammengefasst hat. Vergleichbare Beispiele sind mir bisher in der FNB nicht aufgefallen.
Bei der elektronischen Übernahme des FNB gab es aber auch Fehler. So müssen z.B. die Bürger der Stadt St. Gallen sowohl unter "St. Gallen" wie auch "St.Gallen" gesucht werden! Die meisten erscheinen allerdings unter der zweiten Variante.
Peter
alte Geschlechter von Staretschwil AG
Verfasst: Fr 14. Dez 2012, 11:51
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Der Gemeindeschreiber von Oberrohrdorf hat mir unterdessen noch bestätigt, dass es tatsächlich Bürger von Staretschwil gab; er nannte die Geschlechter Attiger, Holenweger und Kaufmann als typische Beispiele. Auch der heute zuständige Zivilstandsbeamte in Mellingen kann sich das Fehlen von Staretschwil in allen Ausgaben des FNB nicht erklären.
Attiger und Holenweger sind in der Buchausgabe 1940 in Oberrohrdorf verbürgert, Kaufmann fehlt (weder Oberrohrdorf noch Staretschwil) -- ist aber 1989 für Oberrohrdorf genannt.
Sieht also so aus, als ob man bei der Datenerfassung 1935 die Fusion schon "vorweggenommen" ... und dabei Kaufmann einfach vergessen hätte.
Re: Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbu
Verfasst: Fr 14. Dez 2012, 11:57
von Wolf
Peter.D hat geschrieben:Bei der elektronischen Übernahme des FNB gab es aber auch Fehler. So müssen z.B. die Bürger der Stadt St. Gallen sowohl unter "St. Gallen" wie auch "St.Gallen" gesucht werden! Die meisten erscheinen allerdings unter der zweiten Variante.
Ich habe die andern St.-Orte einmal kontrolliert, zumindest die meisten: der Effekt tritt auch (aber nur) bei St.Antoni FR auf - wie bei St.Gallen bei einem Sp...-Namen.
Bei diesen Kontrollen ist mir aufgefallen, dass auf der CD (zumindest meiner Version von 2004) Specker von St.Gallen vergessen worden ist: bei so vielen Tausend Angaben, werden sich Fehler nie komplett ausschliessen lassen

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Fusion der Ortsbürgergemeinden von St.Gallen und Straubenzel
Verfasst: So 16. Mär 2014, 19:40
von Wolf
Im
St.Galler Tagblatt wird vermeldet, dass zum 1.1.2015 die Ortsgemeinden von St.Gallen und Straubenzell fusionieren sollen (die beiden Bürgerversammlungen müssen noch zustimmen).
Die Ortsgemeinden von Rotmonten und Tablat (beide Ortteile heute Teil der politischen Gemeinde St.Gallen) sind davon unberührt - zumindest sind mir keine analogen Bestrebungen bekannt.
Re: Fusionen von Ortsbürgergemeinden und das Familiennamenbu
Verfasst: Fr 28. Mär 2014, 13:42
von Thomy
Hallo Mitforschende
Bereits 1803 fusionierten die Gemeinden Quarten, Mols, Murg, Ober- und Unterterzen sowie Quinten zur
politischen Gemeinde Quarten. Doch in der Ausgabe des Familiennamenbuches von 1989 erscheinen noch mehrere Namen unter den nicht mehr existierenden Gemeinden.
Gmür erscheinen als Bürger von Murg und Rufi (fusioniert mit Schänis). Nur bei einer Einbürgerung in Zürich erscheint Quarten als bisheriger Bürgerort.
Gruss
Thomas Gmür