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SiWe
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von SiWe » Do 25. Jun 2026, 11:38
tiagotwe hat geschrieben: Mi 24. Jun 2026, 22:58vIm brasilianischen Familienkreis bestehen zwei Überlieferungen zu einem Wappen: (...) und eine ältere, um 1968 aus der Schweiz übermittelte Fassung, die in Brasilien mit dem Jahr 1575 verbunden wird.v
Lieber Tiago,
könntest Du dieses Wappen - Abbild, so wie es 1968 nach Brasilien kam - per Geneal-Forum uns zur Verfügung stellen um es anzusehen. Vielleicht bringt dies uns noch neue Informationen.
LG und merci im Voraus
SiWe
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tiagotwe
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von tiagotwe » Do 25. Jun 2026, 14:40
Lieber SiWe,
sehr gerne. Anbei das Abbild des Wappens, das nach brasilianischer Familienüberlieferung um 1968 von einem Schweizer Verwandten an Walter Wermelinger da Costa in Brasilien übergeben wurde.
Leider verfüge ich bislang über keine ältere schriftliche Provenienz zu diesem Stück; es besteht nur die mündliche Überlieferung innerhalb der Familie. Die Abbildung zeigt einen goldenen Schild mit einer schwarzen Hausmarke über einer grünen Basis (Dreiberg), darüber Helm, Helmzier und Helmdecken.
Für meine Frage ist besonders bemerkenswert, dass diese Fassung im Schild weder die rote Lilie noch die zwei roten Sterne aufweist. Diese Elemente erscheinen hingegen in der später, ab 2000, in Brasilien bekannt gewordenen Fassung nach der Karteikarte 2216 des Staatsarchivs Luzern.
Daher meine Frage: Könnte die hier gezeigte Fassung auf eine ältere Hausmarke bzw. ein Sippenzeichen zurückgehen, während Lilie und Sterne spätere heraldische oder erzählerische Zutaten wären? Erkennt jemand diese Darstellung aus einem Wappenbuch, einer Sammlung, einem Siegel, einem Grabmal oder einer anderen Quelle? Eine Atelier- oder Künstlersignatur konnte ich auf dem Stück bisher nicht feststellen.
Für jeden Hinweis auf Datierung, Herkunft oder mögliche Zuordnung wäre ich sehr dankbar.
Herzliche Grüsse aus Brasilien
Tiago
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von SiWe » Do 25. Jun 2026, 15:12
tiagotwe hat geschrieben: Do 25. Jun 2026, 14:40 Leider verfüge ich bislang über keine ältere schriftliche Provenienz zu diesem Stück; es besteht nur die mündliche Überlieferung innerhalb der Familie.
Merci. Wäre super wenn Du herausfinden würdest, wer Euch dieses Wappen zusandte.
Anyway : es ist äusserst nahe beim Ruswiler - https://dls.staatsarchiv.lu.ch/records/1626206 - (und Sempacher) Wappen von 1676 (ausser die Grundfarbe), das mir als das "originelle" Wappen erscheint, welches später von den meisten anderen übernommen wurde und um "spezifisch" zu sein, ausgeschmückt wurde.
Als 2. käme dieses in Frage : https://dls.staatsarchiv.lu.ch/records/1626201, die Soppensee-Kapelle wurde 1669 gebaut und wenn ich mich richtig erinnere von einer Ruswiler Familie Wermelinger mitfinalziert. Wie Du siehts fehlt hier der "obere" Strich, aber ist sonst dem Ruswiler ähnlich.
PS : normalerweise kommt die Jahreszahl in den Luzerner Familien-Wappen von einem, das historisch bekannt ist und im 20. Jahrhundert "neu" gezeichnet wurde.
Peter und das Staatsarchiv könnten da mehr wissen.
LG SiWe
Zuletzt geändert von SiWe am Do 25. Jun 2026, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.
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tiagotwe
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von tiagotwe » Do 25. Jun 2026, 15:42
Lieber SiWe,
ganz herzlichen Dank für Deine wertvollen Hinweise und für die Zeit, die Du Dir nimmst.
Zur Herkunft des Wappens konnte ich inzwischen anhand der Aufzeichnungen unseres Familienblogs einiges klären. Den Kontakt in die Schweiz stellte Walter Wermelinger da Costa her, Rechtsanwalt in Niterói, Brasilien. Über die Schweizerische Botschaft fand er einen Verwandten und stand ab 1962 in brieflichem Kontakt mit einem Walter Wermelinger, wohnhaft in Luzern und beruflich in Zürich tätig. Dieser besuchte später die Familie in Brasilien; seine Ankunft ist in unseren Aufzeichnungen mit dem 31. Juli, vermutlich 1967, verbunden. In diesem Zusammenhang kam das Wappen nach Brasilien.
Es handelt sich also um zwei Namensvettern: den Schweizer Walter Wermelinger aus Luzern/Zürich und den brasilianischen Walter Wermelinger da Costa aus Niterói.
Aus unserer Familienüberlieferung stammt zudem ein Hinweis, den ich bisher noch nicht urkundlich belegen konnte: Der genannte Walter Wermelinger aus Luzern soll der Sohn eines Otto Wermelinger gewesen sein, der in der Schweiz als Buchbinder tätig war. Falls dieser Otto Wermelinger, Buchbinder, oder sein Sohn Walter in Luzerner Registern, Adressbüchern oder anderen Quellen der 1950er/1960er Jahre auffindbar wäre, würde mir das sehr helfen — sowohl zur Identifikation der Person als auch zur besseren Provenienz des Wappens.
Deine heraldischen Hinweise verfolge ich sehr gerne weiter. Die Nähe zur Ruswiler und Sempacher Form von 1676 sowie der mögliche Bezug zur 1669 erbauten Soppensee-Kapelle sind für mich sehr anregend. Den Datensatz 1626201 habe ich aufgerufen; er ist dort der Familie Wermelinger mit Heimatgemeinde Buttisholz zugeordnet. Dass ähnliche Marken in mehreren Luzerner Gemeinden mit kleinen Abweichungen auftauchen, könnte tatsächlich auf den Charakter eines weiter verbreiteten Wermelinger-Sippenzeichens hinweisen.
Für meinen eigenen Zweig mit Herkunft/Heimat Willisau bleibe ich aber bewusst vorsichtig und möchte mir keine Ruswiler oder Buttisholzer Herkunft anmassen. Mir geht es zunächst darum, den gemeinsamen heraldischen Kern besser zu verstehen.
Den Hinweis zu den Jahreszahlen — also dass sie sich normalerweise auf historisch bekannte Vorlagen beziehen, die im 20. Jahrhundert neu gezeichnet wurden — werde ich mit Peter und dem Staatsarchiv Luzern weiterverfolgen.
Nochmals besten Dank für Deine Hilfe und herzliche Grüsse aus Brasilien
Tiago
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von Peter.D » Do 25. Jun 2026, 18:14
Peter.D hat geschrieben: Mi 24. Jun 2026, 17:22
Zu deinen Fragen b) und c) kann dir eventuell das Staatsarchiv Auskunft geben.
Hallo Tiago, hier noch der Kontakt-Link zum Staatsarchiv Luzern, falls du nicht bereits angefragt hast. Zu den Wappen selbst kann ich nichts beitragen.
Generell ist allerdings festzuhalten, dass namentlich ab etwa der 2. Hälfte des 19. Jh. viele Familien eigene Wappen kreieren liessen - das war in der ganzen Schweiz eine Art Modeströmung. Solange keine Rechte anderer Familien verletzt wurden (Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht), gab es in der Schweiz auch gar keine gesetzlichen Vorschriften dazu. Siehe z.B. auch hier.
Pedro
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von Walter » Do 25. Jun 2026, 21:43
Hallo Tiago, ist dir die Sammlung der Schweizer Familienwappen schon bekannt?
Hier der entsprechende Link auf die Seite mit den Wermelinger-Wappen.
Alle diese Wermelinger-Wappen basieren auf einem (mehr oder weniger gleichen) Hauszeichen, was meiner Meinung nach auf einen gemeinsamen Ursprung dieser Wappen schliessen lässt.
Als "Quelle" wird grossmehrheitlich auf das Staatsarchiv Luzern verwiesen, vielleicht weiss man dort mehr zur Entstehungsgeschichte dieses Zeichens und der entsprechenden Wappen.
Hier auch noch ein Link zu einer Hauszeichensammlung im Kanton Graubünden.
Und noch ein Link zur Entstehungsgeschichte solcher Hauszeichen (auch Hausmarken, Sippenzeichen) bei Wikipedia
Solche Hauszeichen waren ursprünglich also keine Wappenbilder, sie wurden zur Kennzeichnung von Besitz und Eigentum (Werkzeug, Schlagholz, Haus und Hof usw.) verwendet. Sie wurden deshalb aus einer Kombination einfacher Linien hergestellt.
LG, Walter
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von tiagotwe » Do 24. Sep 2026, 22:16
Liebe Familienforscherinnen und Familienforscher,
im Wermelinger-Archiv ist ein neues Porträt erschienen – diesmal nicht über einen Auswanderer des 19. Jahrhunderts, sondern über einen Zeitgenossen: Dani Wermelinger, ehemaliger Super-League-Schiedsrichter und heute Chef des Ressorts Spitzenschiedsrichter beim Schweizerischen Fussballverband (SFV). Er hat den Text selbst durchgesehen und zur Veröffentlichung freigegeben.
https://www.afamiliawermelinger.com/202 ... enome.html
Der Anstoss zu dieser Recherche kam aus dem Kreis der Schweizer Wermelinger, wofür ich herzlich danke. Über Hinweise, Ergänzungen oder Korrekturen freue ich mich wie immer.
Mit freundlichen Grüssen aus Duas Barras (Rio de Janeiro)
Tiago Wermelinger
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von SiWe » Fr 25. Sep 2026, 07:44
Lieber Tiago,
merci für das Aufschalten des neuen Artikels.
Hast Du extra nicht erwähnt, dass Dani Bürger von Willisau ist (was er mir ja auf Anfrage gesagt hatte), und somit derselben Linie abstammt wie die der Auswanderer nach Brasilien ?
In der Tat ist der Name Wermelinger in Willisau (früher in Stadt und Land aufgeteilte Gemeinden) alteingesesssen seit vor 1800).
Herzliche Grüsse aus Genf
SiWe
PS : hier für Dich als Neukenner der Schweizer Besonderheiten, kurz eine mögliche Beschreibung, was das Schweizer Bürgerrecht ausmacht.
Das Bürgerrecht einer Schweizer Gemeinde bezeichnet die rechtliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bürgergemeinde bzw. Ortsbürgergemeinde. Es wird traditionell vor allem durch Abstammung innerhalb einer Bürgerfamilie weitergegeben und in den entsprechenden Familien- und Bürgerregistern festgehalten. Dadurch kann eine Familie über viele Generationen Bürger einer Gemeinde bleiben, auch wenn ihre einzelnen Mitglieder längst an anderen Orten wohnen.
Historisch war das Bürgerrecht mit besonderen Rechten und Pflichten verbunden. Ortsbürger konnten beispielsweise am Bürgernutzen teilhaben und je nach Gemeinde Rechte an gemeinschaftlich genutztem Wald, Weideland oder anderen Gemeindegütern besitzen. Zudem war die Bürgergemeinde früher für bestimmte Bereiche der Unterstützung ihrer Bürger zuständig.
Das Bürgerrecht ist vom Wohnsitz zu unterscheiden. Auch heute kann ein Schweizer Bürger, der nicht Bürger einer bestimmten Gemeinde ist, unter den gesetzlichen Voraussetzungen dort eingebürgert werden. Dies gilt grundsätzlich auch für ausländische Staatsangehörige, die bereits seit längerer Zeit in der betreffenden Gemeinde bzw. in der Schweiz leben und die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen. Das Bürgerrecht kann somit sowohl durch Abstammung als auch durch Einbürgerung erworben werden.
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von tiagotwe » Fr 25. Sep 2026, 15:06
Lieber Simon,
herzlichen Dank für Deinen Kommentar und für die sorgfältige Erklärung zum Bürgerrecht.
Um Deine Frage ehrlich zu beantworten: Nein, das habe ich nicht absichtlich weggelassen. Ich hatte schlicht nicht verstanden, welche Bedeutung es hat, dass Dani Bürger von Willisau ist. Für uns in Brasilien klingt das zunächst einfach nach einem Wohnort, und erst durch Deine Zeilen ist mir klar geworden, was dahintersteht: eine Verbindung zu genau dem Ort, von dem François Xavier 1819 aufgebrochen ist.
Das zeigt mir einmal mehr, wie viel ich von der Schweizer Kultur und ihren Besonderheiten noch zu lernen habe. Umso dankbarer bin ich für Menschen wie Dich, die sich die Zeit nehmen, mir diese Dinge geduldig zu erklären. Ich werde das Porträt entsprechend ergänzen.
Herzliche Grüsse aus Duas Barras
Tiago
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