Kulturgut: üsri, oischi, Mundart langsam aber sicher am aussterben -oder?

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gerhardender
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Kulturgut: üsri, oischi, Mundart langsam aber sicher am aussterben -oder?

Post by gerhardender » Sat 10. Mar 2018, 12:15

Im SRF 1 Radio kommt jeden Wochentag "üsri, oischi, Mundart". Hier werden alte Begriffe, wie "...a rässas Beili = ein scharfes Beil", Namensbedeutung und deren Verbreitung und Herkunft erklärt.

Wenn ich meinen jungen und leider auch "...gschandna Vorardldberger..."" - Vorarlberger Zeitgenossen zuhöre - statt gsi - es war; statt guat ischt gsi - lecker.... Dann kommt mir fast zwangsläufig das Lied Oh, Oh Voradelberg in den Sinn....und das mr jo koan meh G s i berger seht...

Was hat das mit Ahnenforschung zu tun? Ich denke sehr viel. Wenn ich heute einkaufen gehe, dann muß ich so manchen Ausdruck buchstäblich eindeutschen. Bedenklich oder?

Sprachsorgfalt – Kulturgut: Leider hat ein kleines Wort, das aber einen hohen Stellenwert, nämlich I d e n t i t ä t, Heimat bietet, ein Problem!
Ich meine das Wort: Gsi, als ich noch ein junger Bursch war, war das GSI gang und gäbe. „a WAR „ ist jemand, der nichts wert ist, eben „so a War“ = Gesindel.
Wer findet sich wieder?
Oh, Oh Voradlberg…und daß mr jo koan meh GSI-Berger seaht, ihr Wiinr. (Kölmeier, Bilgeri ~1969)

Frei nach den Idolen von damals…Es könnte bald soweit sein,…odr!?

Statt z´morga – Frühstück; statt hoi = heil – heile; statt z´nüne, z´breand, z´viere, z´mareand – Jause…, znacht… Abendessen… „Bödeledüdtsch“, ganz böse „Alt gsiberger seagand: „Piz Puindütsch“, also leicht abgehoben.
Ein Blick zu unseren sprachlich Verwandten, Schweizer Nachbarn: Do redt jedr, ob Doktr, odr Büzer = Arbeiter sin Dialekt – so wias Mul gwaxa ischt! Wers nit vrstoht ka jo froga! = a gsunds Selbstbewußtsein!

Wer sich orientieren will, dem lege ich das Buch von Hubert Allgäuer: Vorarlberger Mundartwörterbuch (kann man auch im Landesbiliothek ausleihen) ans Herz.
Eine unterhaltsame Variante: Das Vorarlberger DIALEKT MEMO für echte Gsiberger. Ein schmunzeln „is Gesicht gschriba“ ist garantiert: „Ma trifft alti Bekannte!“

Immer wieder höre ich, das hond d´Kind – d´Gofa us am Kindi (Kindergarta) mitbrocht. Einer meiner Lehrer hat darauf Wert gelegt: Man geht NACH, nit UF Mäder“. Wie sich alles wiederholt…odr!?
Wir haben so eine sehr große Vielfalt an verschiedenen Dialekten auf kleiner Fläche.
Ist es nicht schade, wenn diese langsam aber sicher „da Bach abgond, abkond“?
Kennen Deine Kinder – Gofa, noch diese Ausdrücke? Tuudra…reden; Seagass…Sense; Ribl…einst Hauptnahrung, fuura…sättigen; Türrga, (nein nicht die zugewanderten Türka)…Mais; Bleiiwiis…Bleistift; leatz…links, oder verkehrt……
Vor gut 25 Jahren hatte noch jede Ortschaft I H R E N Dialekt, Tonfall: heascht as Mul ufgmacht – Geall, du bischt an Altigr!...d´Ebmser gingen idt Alta UUUSI, mir Altigr it Meder USSI…usw. Sicher, eine Sprache soll und muß leben, um fortzubestehen. Jeder ist D E R Schmid, welche Ausdrücke ich zulasse…odr!?
Wäre es nicht an der Zeit wie im Elsass sich des Kulturgutes und des Werts der verschiedenen Dialekte zu besinnen und zu erhalten?
In den 1970 Jahren haben im Elsass die Brüder Siber (Mundartsänger - Liedermacher) das Elsässisch gerettet. Nur noch 1% sprach diesen Dialekt.

Nicht jede Anglizisme, nicht jedes Modewort muß in unseren Sprachgebrauch Verwendung finden. Wir damals Jungen haben uns auch durch die Sprache versucht uns abzugrenzen. Worte wie wir damals: LLÄSSIG…ECHT !?; heute: voll geil, lecker sind halt Zeitgeist…abr bruchts deas?

Sollten wir nicht etwas achtsamer,
sorgsamer mit unserer Mundart umgehen?


und nüt für uuguat - für jene, die des Alemannischen nicht (mehr) mächtigen: "Nichts krumm nehmen!"

Gerhard Ender, Altach, Vorarlberg



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