Walser Schicksalstag 20. April 1499

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gerhardender
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Walser Schicksalstag 20. April 1499

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Abschrift nach einem Genealogischen Artikel der "Vorarlberger Nachrichten" aus einer Serie der 1970er Jahre
mit freundlicher Genehmigung der "Vorarlberger Nachrichten" 2. Mai 2020

Dabei muß man noch bedenken, daß Prof. Ilg für 1621 erst 69 Hofstätten im Großen Walsertal angibt., es 1499 kaum viel mehr als 50 Familien gehabt haben kann.
Doch vielen binnen weniger Stunden des Sonnabend, 20. April 1499 bei Frastanz 54 Walser allein aus der Herrschaft Blumenegg, die neben dem Großen Walsertal nur ein kleines Stück Land mit Ludesch, Bludesch, Thüringen umfasste.
Welche Verzweiflung in Generationen ausgebluteter Walser Familien nach dem vernichtenden schlag von Frastanz geherrscht haben mag muß, sagt bis heute erschütternd aus, das sich wenig später die auf Freiheiten einst so stolzen Walser von Blumenegg freiwillig und geschlossen in den weiteren Kriegsdiensten entbindende Leibeigenschaft begaben.
Bis heute bewegende Schilderung der Verhältnisse von Frastnaz 1499 in der Embser Chronik.
Unter zwei bis dreitausend Gefallenen auf österreichischer Seite waren allein aus Blumenegg 54 Walser, darunter Kristian, Hans, Peter und Kaspar Burtscher.


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In den 1970er Jahren waren Genealogische Artikel in den „VN“. Damals der Grund sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen.
Hier eine Abschrift eines Artikels der Vorarlberger Nachrichten, aus den 1970 Jahren.
Artikel 4 Autor: Hedda Leitkam
Walser Schicksalstag 20. April 1499
Walser Tragödien im Kampf

Walser Wanderungen regten auch an, daß überall Landesherren um Walser Siedler warben.
Sonderrechte und Freiheiten, die Walsern angeboten wurden, hatten aber neben dem geschilderten extremen Anstrengungen der Höhenbesiedlung noch einen teuren Preis: In Ansiedlungsurkunden steht eine immer wiederkehrende Formel.

Im Kriegsfall müßten die Walser „mit schilten und speren und mit ir liben“, mit Schilden und Speeren und mit ihrem Leben dienen. Denn Walser waren auch legendäre Krieger.
Prof. Ilg in anderem Zusammenhang Vergleiche mit Bergvölkern bis Tibet zieht, darf auch an Gurkhas und einem Teil Sikhs der britischen Kolonialarmee erinnert werden.
Die aus zurückgebliebenen Himalajagebieten aus ähnlich extremer Lebensweise wie die Walser kamen und über die es Legenden gab.
Sie könnten wie Geister durch Beton gehen, Mienen riechen usw. Tatsächlich konnten die Hochgebirgshirten und – jäger (von Jagdrechten der Walser und ihrem Kampf gegen Raubwild wird später die Rede sein)
Über weite Strecken geräuschlos bewegen, unwahrnehmbar mit ihren jeweiligen Umgebung verschmelzen. Umgekehrt wahrnehmen, was längst kein Flachländer mit seinen verkümmerten Sinnen mehr sah, hörte, roch.
So fanden im 1. Weltkrieg an der Westfront Hochgebirgskrieger noch in modernen Materialschlachten geradezu abergläubische Furcht wecken konnten, läßt das am ehesten ahnen, welchen Schrecken Walser Krieger unter primitiver gerüsteten Gegnern einst verbreiteten.
Blutige Grenze
Den furchterregenden Ruf erwarben Walser in schon erwähnten kriegerischen Zeitläufen rund ums Wallis. Aber auch Vorarlberger Landesherren, die um Walser warben hatten großen Bedarf an Kriegern.
Hier kann nur knappst summiert werden, was was viele Geschichtswerke, am genauesten Bilgeris „Geschichte Vorarlbergs“ beschreiben: Der Vorarlberger Raum brannte und blutete und blutete schon genug an Fehden zwischen den durch Erbteilungen gespaltenen Montforter und Werdenberger Linien, an Machtkämpfen zwischen altem Hochadel und niederem Ministerialien, aus denen z.B. Die Emser hervorgingen, an an denen bei Dornbirn mehrfach erwähnten Kämpfen Kaiser – Papst und Thronstreitigkeiten deutschen Hochadels die Vorarlberger Gebiete miteinbezogen.
Das war noch nicht alles, 1315 kam es zur berühmten Schlacht bei Morgarten, in der zum ersten Mal ungeübte Haufen verachteter „Bauerntölpel“ unter geschickter taktischer Ausnutzung ihres Geländes (heute würde man Gerilla-Taktik sagen) ein kriegsgeübtes, schwer gerüstetes Ritterheer schlugen.
Ab dann brannten für fast zwei Jahrhunderte immer neue Kämpfe, auch in unserem Raum zwischen eidgenössischen und habsburgisch-österreichischen Heeren auf.

Vorarlberger, dann schwäbische Landesherren griffen ein, da sie durch vielerlei Sympathiebeweise ihrer Untertanen für den eidgenössischen Freiheitskampf um ihre eigene Herrschaft fürchten mußten.
So entstand was man heute Eskalation nennt.
Bis zuletzt 1499 (in dem, wie vor längerem erwähnt, auch Dornbirn niedergebrannt wurde) weite Teile des Vorarlberger Raumes kaum weniger unter grauenhaften Blutverlusten, Verwüstungen, bittersten Elend litten als später traurig berühmte Regionen Coventry bis Dresden, Algerien bis Vietnam.
Walser Schicksalstag 20. April 1499
Man stelle sich das Entsetzen vor, daß es, Gott sei Dank nicht gab: Im 2. Weltkrieg wären an einem Tag 54 Großwalsertaler gefallen.
Dabei muß man noch bedenken, daß Prof. Ilg für 1621 erst 69 Hofstätten im Großen Walsertal angibt., es 1499 kaum viel mehr als 50 Familien gehabt haben kann.
Doch vielen binnen weniger Stunden des Sonnabend, 20. April 1499 bei Frastanz 54 Walser allein aus der Herrschaft Blumenegg, die neben dem Großen Walsertal nur ein kleines Stück Land mit Ludesch, Bludesch, Thüringen umfaßte.
Welche Verzweiflung in Generationen ausgebluteter Walser Familien nach dem vernichtenden Schlag von Frastanz geherrscht haben muß, sagt bis heute erschütternd aus, das sich wenig später die auf Freiheiten einst so stolzen Walser von Blumenegg freiwillig und geschloßen in den weiteren Kriediensten entbindende Leibeigenschaft begaben.
Bis heute bewegende Schilderung der Verhältnisse von Frastnaz 1499 in der Embser Chronik.

Unter zwei bis dreitausend Gefallenen auf österreichischer Seite waren allein aus Blumenegg 54 Walser, darunter Kristian, Hans, Peter und Kaspar Burtscher.

Anmerkung & Mutmaßung:
Das Ender Wappen wurde 1494 verliehen, ist das der Grund, weshalb ich bisher nur eine Nennung gefunden habe!? Vielleicht der Grund, weshalb keine weitere Adelserneuerung oder Wappenblasionierung in den Analen zu finden ist.
"Warum sich töten lassen, sollen die "Großen" sich selbst um ihre Angelegenheiten kümmern.
Für Hinweise, das Ender Wappen betreffend, seien sie scheinbar noch so klein und unbedeutend, bin ich sehr dankbar.

IGALische Grüsse us am Ländle
Gerhard Ender



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