Steinlin von St.Gallen SG

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Steinlin von St.Gallen SG

Post by Wolf » Sat 22. Mar 2008, 11:35

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Quelle: H.R. von Fels, A. Schmid, E. von Fels: Wappenbuch der Stadt St.Gallen, Rorschach 1952.

Ursprünglicher Name des Geschlechts war Am Stain oder kurz Stain/Stein. Erstmals erwähnt sind Wälti Am Stain (um 1374-1407), in der Vorstadt am Irertor, und Hans und Ulrich Am Stain (um 1403-1407). Eine nachweisbare Stammlinie beginnt mit Henni (Hans) erwähnt 1444-1469, Notensteiner, der in Irer Vorstadt und später am Bletz, vom nüwen tor inher by St.Kathrinen wohnte. Wahrscheinlich war er im Leinwandhandel tätig. Sein Enkel Othmar (erwähnt 1481-1498) war Pannerhauptmann. Othmars Urenkel Jeremias (1564- nach 1616) war seit seinem dritten Lebensjahr einziger männlicher Vertreter des Geschlechts. In Gerichtsprotokollen Stain genannt, sprachen die Zeugen jedoch vom Stainly, wie auch sein Sohn Caspar 1587-1635) informell so genannt wurde, erstmals 1619 jedoch Stainlin. Sein Sohn Caspar (1618-1668) war Weber und seit 1642 Feilträger (von der Stadt eingeschworener Leinwandmakler) auf Lebenszeit. Dieses Amt versahen auch seine Nachkommen. Mit seinem Urenkel Bartholome (1713-1774), Weber, kam das bis dahin kleine Geschlecht zu Wohlstand und mit dessen vier Söhnen zu bedeutender Stellung.

Der Älteste der vier Brüder, Caspar (1740-1814), war Zunftmeister der Weber, Ratsherr, Kirchenpfleger, letzter Bürgermeister der Freien Reichsstadt St.Gallen bis zu den politischen Umwälzungen von 1798 im Zuge der Besetzung auch der Ostschweiz durch die französische Armee, dann Präsident der provisorischen Stadtregierung, der Munizipialität, 1799 der Gemeindekammer, Tagsatzungsgesandter, Regierungskommissär und Kantonsrat. Da seine Kinder früh gestorben waren, stiftete aus seinem Vermögen das Steinlinsche Familienlegat zur Unterstützung bedürftiger Familienmitglieder. Sein Bruder Felix (1744-1806) war Fabrikant; von seinem Sohn Hektor stammt ein Zweig der Steinlin, deren Mitglieder über mehrere Generationen vor allem im Holzhandel und in der Papierfabrikation im Schwarzwald tätig waren. Nachkommen leben seit dem Zweiten Weltktieg im Raume Zürich. Ein anderer Sohn von Felix, Bartholome (1780-1862) war Stickereikaufmann, Sparkassenverwalter, Stadtrat, Bürgerrat und Kantonsrat. Der dritte Bruder Peter (1747-1807) war Modelstecher, ein für die Textilindustrie wichtiger Beruf. Seine Nachkommen starben jedoch bereits mit seinen Kindern aus. Der vierte Bruder Johannes (1751-1834) begann als Feilträger und Leinwandfabrikant und konnte ein erfolgreiches Handelsgeschäft aufbauen. Er war Munizipalrat, Distriktsrichter, Kirchenvorsteher und Stadtrat.

Georg Leonhard Steinlin (1784-1856), Sohn von Johannes, Fabrikant, war Spitalherr im Stadtrat und Bürgerrat, Kantonsrat und evangelischer Zentralrat. Als Spitalrat führte er die Verlegung des Bürgerspitals aus dem engen Häuserlabyrinth am Marktplatz an seinen heutigen Standort an der Rorschacherstrasse durch. Allen Berichten zufolge muss er ein begnadeter Redner gewesen sein, war es och die Zeit der patriotischen Sänger-, Turn- und Schützenfeste. Als Letztes stiftete er seine Liegenschaft zum Gärtli ausserhalb des Burggrabens für den Bau der Kantonsschule (Gymnasium).

Sein Sohn Karl Anton (1812-1882) gründete eine Eisenhandlung und übergab sie seinem Bruder Georg Walter (1823-1894), Gemeinderat und Bürgerrat, als er selber von seinem Schwiegervater das Gasthaus zur Sonne in der Multergasse übernahm. Er war Oberstleutnant im eidgenössischen Generalstab. Georgs Sohn Paul Walter (1848-1929) führte die Eisenhandlung weiter und war Gemeinderat, Oberst und Brigadekommandant. Der dritte Sohn von Georg Leonhard, Werner (1826-1871), Dr.med., war Arzt, Erbauer und Chefarzt des Gemeindespitals und Vorkämpfer für die Errichtung des Kantonsspitals. Eine Schwester Sabine Elisabeth war verheiratet mit dem Juristen Karl Jakob Hoffmann (1820-1895), Ständerat 1873-1891, der 1883 die Wahl zum Bundesrat ablehnte. Ihr Sohn Arthur Hoffmann (1857-1927 wurde dann 1911-1917 Bundesrat.

Die beiden Söhne von Karl Anton, Karl Georg (1837- ) und Bernhard Arnold (1839-1895) wanderten als Kaufleute nach Frankreich aus. Die Nachkommen von Karl Georg bilden den französischen Zweig der Steinlin. Bernhard Arnold kehrte nach St.Gallen zurück. Sein Sohn Maurice Ernst (1871-1931), Dr.med., war praktischer Arzt und Spezialarzt für Gemütskrankheiten. Seine Praxis, seit 1903 im Haus Aquasana an der Zwinglistrasse, verband er mit einer öffentlichen Badeanstalt - zu einer Zeit, in der viele Wohnungen noch keine Badezimmer hatten, eine sozial wichtige Einrichtung - mit einer Abteilung für physikalische Therapie. Er war Bezirksarzt, Bürgerrat, Oberst der Sanität, war während des Ersten Weltkrieges führend in der Internierungsorganisation und war Gründer und erster Präsident der städtischen Berufsberatungsstelle. Viele Jahre bis 1922 war er Mitglied des Gemeinderates der Stadt St.Gallen und übernahm 1919 das neugeschaffene Amt eines städtischen Schularztes. Neben vielen Vorträgen in diesem Amt setzte er sich vor allem für die Gesundheit uns sportliche Betätigung der Schülerschaft ein. Viele weitere Ämter hatte er in gemeinnützigen und kulturellen Vereinigungen inne. Sein Bruder Hermann (18751927) war Eisenhändler in der oben genannten Eisenhandlung, Präsident des städtischen und kantonalen Detaillistenverbandes und Förderer des schweizerischen Berufsverbandes. Der dritte Bruder Otto (1875-1931) war kaufmännischer Leiter der Firma Amsler in Feuerthalen und vielseitig im kulturellen Leben Schaffhausens tätig.

Hans Arnold (1906-1978), Sohn von Maurice, Dr.med, war Spezialarzt für Herz- und Lungenkrankheiten, Chefarzt des Sanatoriums Clavadel bei Davos, dann der Bernischen Lungenheilstätte in Heiligenschwendi, später Gemeinderat in St.Gallen, Leiter der Tuberkuloseabteilung der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals St.Gallen und Präsident der St.Gallischen und der Schweizerischen Liga gegen die Tuberkulose. Sein Bruder Peter (1911-1991), Dr.iur., war Professor für Versicherungswirtschaft an der Hochschule St.Gallen und Kantonsrat.

Hansjürg (1921-2004), Sohn von Hermann, Dr.sc.nat. ETH, Forstingenieur hatte eine Professur für Forstwirtschaft an der Universität Freiburg im Breisgau, war dort Rektor und Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und Abteilungsdirektor bei der FAO in Rom. Sein Bruder Bernhard Arnold (1923-1994) war Stahlhändler, Mitglied des Bürgerrates und des Bankrates der Ersparnisanstalt der Stadt St.Gallen und war Obmann der Burgergesellschaft. Selber im Weinbau aktiv sorgte er dafür, dass die Ortsbürgergemeinde St.Gallen wieder wie in früheren Zeiten ihren eigenen Weinberg und ihren städtischen Ehrenwein besitzt.

Hans Christoph (1939-1995), Sohn von Hans Arnold, Dr.iur., Fürsprecher, war Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz und Generalsekretär des Departementes des Innern unter Bundesrätin Ruth Dreifus.
Text von Uli Steinlin, Autor des mehrbändigen Werkes
Die Vorfahren der Familie Steinlin von St.Gallen


Wolf Seelentag, St.Gallen

Pascal Paul
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Re: Steinlin von St.Gallen SG

Post by Pascal Paul » Mon 10. Jul 2017, 08:54

Hallo zusammen
Wer hat das Buch Ahnentafel Steinlin - Herzog in seinem Besitz? Mich würde dort die Ahnentafel 43 interessieren.



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