Steck von St.Gallen SG

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Gutknecht
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Steck von St.Gallen SG

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Liebe Forscherfreunde,

Die Spuren meiner Familiengeschichte haben mich nun erstmals bis in die Schweiz gebracht. Da ich hier, und vor allem in St. Gallen, noch überhaupt keine Erfahrung habe, hoffe ich vielleicht durch nette Hilfe zumindest einige grobe Hinweise zu bekommen.

Mein Vorfahre Kilian STEGK d.Ä. starb am 24.08.1584 [korrigiert: 1585] als Bürgermeister in Freiberg in Sachsen im Alter von 55 Jahren (Grabinschrift erhalten), ist also ca. 1529 geboren.

In der Leichenpredigt seines Sohnes Kilian STEGK d.J. (1582-1613) findet sich die Angabe, dass sein Vater aus St. Gallen nach Freiberg eingewandert war. Als seine Großeltern werden genannt:

Barthel STEGK, Handelsmann in St. Gallen oo Odilia, geb. WAAT. (ohne nähere Angaben)

Ich hab nun schon herausgefunden, dass es sich dabei um das Ehepaar:
Bartholomäus STECK oo Ottilia von WATT (Schwester des Joachim von WATT/Vadian) handelt.
Die Ehe fand am 08.08.1519 in St. Gallen statt.
Den beiden gehörte das Haus "Zur Jägerei" in St. Gallen.

Weitere Informationen über die Familie STECK in St. Gallen fehlen mir völlig.
Ist es eine eingesessene Familie? Gibt es weitere Vertreter? Geschwister oder Nachkommen des Bartholomäus, außer seinem Sohn Kilian? Und vor allem, lässt sich etwas über dessen Herkunft herausfinden?

Ich hoffe auf neue Hinweise und vielleicht Ratschläge.
Vielen Dank schon mal und viele Grüße aus Leipzig/Sachsen.

Vom Danny (Gutknecht)



Wolf
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Re: Steck von St.Gallen SG

Post by Wolf »

Alther hat keinen Steck in seinen Tafeln, aber einen kurzen Absatz im Textband:
Aus der Ehe Ulrich Schittli oo Dorothea Zollikofer gingen eine Tochter und der bereits erwähnte Sohn Jakob hervor. Die Tochter, deren Vorname bis heute nicht bekannt ist, vermählte sich mit Kaspar Steck, der von 1492 bis 1508 an der Spisergasse ab, 1509 bis 1518 an der Multergasse ab wohnte. Auch dieser Ehemann gehörte zu den Reichen, von 1514-18 mit einem Vermögensmaximum von 4'900 lb. Wegen des Verstosses gegen die Silbersatzung durch Niklaus Schittli, Bruder seines Schwiegervaters, wurde auch Kaspar Steck als Kaufmann einvernommen[§], doch hatte er die Satzung eingehalten. 1510 wurde er zum Salzherrn gewählt und war bis 1518 Ratsherr.
[§] Hans Conrad Peyer "Leinwandgewerbe und Fernhandel der Stadt St.Gallen von den Anfängen bis 1520", St.Gallen 1959, Band I, p.454 Ulrich Schittli hetz gehalten. Caspar Speck, sin tochtermann, hab mit sinem swager gehandlot, den halten
Die Vermögensangaben hat Alther sicher von Höhener (Bevölkerung und Vermögensstruktur der Stadt St.Gallen im 16. und 17. Jahrhundert, Zürich 1974) übernommen: Höhener hat die Steuerbücher 1500-1650 ausgewertet und dabei jedes 10. Jahr die 20 reichsten Bürger bestimmt (insgesamt 139 Personen) und diese separat ausführlicher behandelt. Bei den genealogischen Angaben bezieht Höhener sich auf Hartmann - was dafür spricht, dass in der Stemmatologia nichts zu Kaspar Steck zu finden ist (was nicht ausschliesst, dass es zu etwaigen späteren Generationen dort etwas zu finden gibt - das Geschlecht ist aber schon lange erloschen). Laut Höhener ist der Schwiegervater, Ulrich Schittli, 1538 tot. Kaspar Steck hat einen Sohn Bartholome, der Ottilia von Watt ehelicht und 1553 verstirbt. 1507 verkauft der Stadtschreiber für "die Nürnberger" ein Haus am Markt und einen Weingarten am Buchberg an Kaspar Speck (Peyer, Band I, p.440).


Wolf Seelentag, St.Gallen
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Wolf
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Re: Steck von St.Gallen SG

Post by Wolf »

Wie erwartet, findet sich zu Caspar Speck nichts in der Stemmatologia - auch nicht zu etwaigen Nachkommen.

Die Angaben von D.W.Hartmann (Manuskript "Zur Geschichte der stadt-st.gallischen Bürgergeschlechter", um 1830) zu Steck sind nicht sehr umfangreich:
Ein der Nothveststeiner Gesellschaft immatriculiertes, und in verschiedenen vornehmen Familien eingeheiratetes Geschlecht, dessen Herkunft unbekannt ist.

Caspar, war 1514 Rathsherr

Sein Sohn:
Bartholomä war 1526 Stadtrichter, 1536 Hofrichter
Ehe: 1519 Ottilia von Watt
Er starb 1553.

Von seinen Kindern ward:
Kilian, Bürger in Frejberg, und starb 1586 als Bürgermeister daselbst.
Zur Herkunft ist also nichts weiter bekannt - aber für mich ergeben sich 2 Fragen:
1) Hartmann gibt als Todesjahr des Kilian 1586 an - Du hast 24.08.1584 genannt. Ich würde auf den ersten Blick das genaue Datum für das Wahrschinlichere halten: gibt es dazu einen Beleg?
2a) Hartmann gibt die Ehe 1519 mit Ottilia von Watt an - also eine Übereinstimmung, aber Du hast ein genaues Datum (08.08.1519): gibt es dazu einen Beleg?
2b) Gibt es einen Beleg, dass Ottilia die Schwester Vadians war? Vadians Vater Leonhard, der am 28.10.1520 verstirbt. In der Stemmatologia sind für ihn nur Söhne angegeben - in der Zeit vor den Kirchenbüchern durchaus üblich, da in Ratsprotokollen, Steuerbüchern, etc. in der Regel eben nur Söhne nachgewiesen werden können, allenfalls Witwen, aber keine (noch) unverheirateten Töchter. Auch hier wäre ich also sehr an einem Beleg interessiert, dass Ottilia Vadians Schwester war.

Wenn es in Freiberg Belege für diese Daten gibt, wäre sicher auch das Stadtarchiv St.Gallen an Kopien interessiert.


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Gutknecht
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Re: Steck von St.Gallen SG

Post by Gutknecht »

Hallo Wolf,
zunächst einmal herzlichen Dank für all die Informationen. Daß von der Familie nicht wirklich viel bekannt ist, hatte ich ja fast befürchtet. Doch ist es immer wieder überraschend, was aus so früher Zeit überhaupt noch gefunden werden kann.
Ich habe die von dir hier erwähnte Literatur jetzt selber durchgesehen und bin zu dem Schluß gekommen, daß der Caspar STECK vermutlich von außerhalb in Sankt Gallen eingewandert ist und damit als vorläufiger Stammvater der ganzen Familie angesehen werden kann.
Die von Alther geäußerten Vermutungen über Caspars Frau (N.N. SCHITTLI) und deren Vorfahren halte ich derzeit leider für falsch, da sie chronologisch keinen Sinn ergeben. Dorothea ZOLLIKOFER ist selbst erst 1509 geboren, kann daher kaum die Mutter der Ehefrau des Caspar STECK sein, der bereits 1518 gestorben war.
Über das Zitat bei Peyer muß ich nochmal in Ruhe nachdenken.

Bleibt also derzeit erstmal nur der Vater Caspar STECK und sein Sohn Bartholome STECK.

Als Quelle für des letzteren Hochzeit mit Vadians Schwester Ottilia von WATT hatte ich bisher nur einen Eintrag in einem Werk über die Baudenkmale der Stadt St. Gallen, in einer Fußnote zum Haus "Alte Jägerei". Mittlerweile habe ich aber einen viel sichereren Beweis, nämlich einen Original-Brief des Lienhard von WATT an seinen Sohn Joachim (Vadian) [Vadianische Briefsammlung II, Nr.163] vom Tag der Hochzeit (08.08.1519), wo es heißt:
"Lieber her dockter, Bartlome Stäk und Otilga sind uff huitigen tag zu kilchen gangen uss uinserm huß mit wenig der fruintschaft uff baiden sitten. Und haut der pfarrer meß gehalten uff der nuwen barkilchen, vor dem spaten ampt daselbst zusamen gen und von der kilchen in deß bruitgomß huß, alda ain gastmal gehebt und daß nachtmal yederman wider beschaiden, und niemantz gehalsot; uff daß necht zogen, der louffen halb."
Weiterhin kann man diesem und zwei weiteren Briefen des Lienhard entnehmen, daß die Eltern Vadians das Pestjahr 1519 außerhalb der Stadt auf dem Hof des neuen Schwiegersohns "im Haggen" verbracht haben.
Hier hätte ich gleich mal noch eine Frage an die "Eingeborenen". Wo könnte man denn den "Haggen" vermuten? Gibt es einen solchen Hof noch? oder ist es eine geografische Bezeichnung?

Die Briefsammlung erwies sich auch noch weiter als gute Quelle, da Bartholome STECK später (1544/45) offenbar die Kontakte Vadians nutzt, um seine Söhne in guten Handelsgesellschaften unterzubringen. Auch wenn der jüngste (Kilian) nicht genannt wird, tauchen doch zwei ältere (Caspar und Bartholome jr.) namentlich auf. Da es offenbar später keine STECKs mehr in St. Gallen gibt, werden wohl alle Söhne ins Ausland gegangen sein.

Noch schnell zu deiner Frage für die Quelle zum Freiberger Bürgermeister Kilian STEGK. Bei seinem Todesdatum hab ich mich oben vertippt. Er starb 1585. Der Eintrag findet sich in der Freiberger Chronik von Andreas Möller: "Theatrum Freibergense Chronicum" (1653), Band I, S.357, dort bei einer Aufzählung der Bürgermeister wörtlich:
"Chilian Steck von S. Gallen aus dem Schweitzerlande, ward RathsHerr Anno 1565, Kämmerer Anno 1570, Bürgermeister Anno 1578 und ferner 1581 und 1584. Starb Anno 1585, den 24. Augusti, als er 56 Jahr gelebet, lieget im Chor in der PetersKirchen begraben, da ihm auch ein Epitaphium auffgesetzet worden."
Dieses Epitaph gab es dann im Jahre 1730 nicht mehr, als Joh. Samuel Grübler in "Ehre der freybergischen Todten-Grüfften" ein Verzeichnis der Inschriften der Domkirche St. Peter veröffentlicht. Dafür aber ein sehr großes Familienepitaph seines Sohnes, Kilian d.J. (1582-1613), in dessen Leichenpredigt übrigens auch die interessante Bemerkung zu finden ist, daß er (wohl zum Beweis seiner Abstammung bei Verleiung des Bürgerrechts) ein Schreiben des St. Galler Stadtrats vom Jahre 1600 (24. Mai) vorlegen konnte, in dem für seinen Großvater Bartholomäus STECK bestätigt wurde, daß "das Geschlecht der STECKe bey ihnen ein ehrlich und vornemer Stamm, und eine lange Zeit gutes Ansehens gewesen sey, endlich aber mit besagtem Bartholomaeo Stecken damahls ganz und gar aus Sankt Gallen abgangen sey."

Soweit erstmal. Nochmals vielen Dank.
Wahrscheinlich werd ich mich mit einigen Fragen aus der anderen Linie derer von WATT nochmals an geeigneter Stelle an dich und andere hier wenden. Bis dahin erstmal viele Grüße

Danny



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Re: Steck von St.Gallen SG

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Gutknecht wrote:Wo könnte man denn den "Haggen" vermuten? Gibt es einen solchen Hof noch?
Bei ortsnamen.ch wirst Du eine ganze Reihe von Haggen finden, auch im (heutigen) Kanton St.Gallen. Davon kommt das heutige Schlössli Haggen am Stadtrand wohl am ehesten als Landsitz eines reichen St.Gallers in Betracht.


Wolf Seelentag, St.Gallen
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Re: Steck von St.Gallen SG

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Notenstein-Matrikel-178-Steck-4899k.jpg
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Emanuel Steckh, genannt 1744-1753

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Ratsprotokolle-989-Register-1-497-Steck-4818k.jpg
Im Register (ca.1640-1798) zu den Ratsprotokollen der Stadt St.Gallen wird ein Emanuel Steckh, Landschreiber im Rheintal, für 1744, 1746 und 1753 erwähnt. Ob bzw. welcher Zusammenhang zu den bisher genannten Steck(h) besteht, weiss ich nicht.
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