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Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Sun 17. Aug 2014, 15:52
by Picea abies
Bei Abklärungen für eine Ahnenliste gab es einige 'Nebennotizen', die wieder weggeworfen werden könnten, da sie für die eigene Arbeit nicht benötigt werden. Vielleicht dienen sie jemanden oder animieren jemanden zum Einstieg. Also hier Ehe- und Taufdaten zu Schaub-Familien aus dem KB Rümlingen

oo 24.11.1584 Martin Schaub u. Barbara Bürri, von Winznau SO
oo 9.3.1590 Jerg Schaub u. Anna Buchmann, von Buckten
oo 28.6.1591 Martin Schaub u. Elsbeth Bürgin, von Rünenberg
oo 27.2.1599 Fridlin Schaub u. Elsbeth Wagner, von Buckten

oo 27.4.1601 Martin Schaub u. Barbara Meyer, von Rothenfluh, sie +21.12.1654
Kinder:
get. 21.3.1602 Matthias, +19.11.1629
get. 23.2.1608 Rudolf

oo 6.10.1601 Hans Schaub u. Margreth Ranft, von Diegten
Kinder:
get. 30.1.1603 Ursula alias Agnes
get. 14.10.1604 Sebastian posthumus

oo 10.5.1602 Theobold Schaub u. Elsbeth Grieder, von Rünenberg
Kinder:
get. 6.11.1603 Martin
get. 21.7.1605 Barbara
get. 1.11.1607 Johannes, +5.3.1648

oo 9.7.1604 Jacob Schaub, +15.12.1628 u. Madlen Stampach, von Langenbruck, +18.3.1657
Kinder:
get. 23.2.1606 Barbara
get. 19.6.1608 Heinrich, oo 7.11.1632 Verena Wiedmer

oo 20.11.1604 Martin Schaub, +23.6.1641 u. Elsbeth Mohler, von Diegten, +16.4.1653
Kinder:
get. 24.8.1606 Fridolin, +4.10.1639
get. 20.9.1607 Heinrich, +11.3.1636
get. 9.1.1609 Jacob, +3.3.1636
get. 4.3.1610 Werner, +25.1.1650

oo 1.7.1606 Hans Schaub u. Elsbeth Schaub, von Wittinsburg
Kinder:
get. 13.12.1607 Jacob
get. 22.10.1609 Margaretha

Bitte beachten:
A. Die ob. Familien sind nicht komplett, da ich nur den Zeitraum 1600-1610 zu überprüfen hatte. Im KB wird also noch viel mehr zu finden sein.
B. Die ob. Frauennamen habe ich ohne Überprüfung der heutigen Schreibweise angepasst (mit dem Risiko Fehler zu machen) Im KB z.B. Moler, heute sicher Mohler. Im KB Wydmer, heute s.o. ?). MfG Werner

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Sat 2. Nov 2019, 20:53
by wolfswald
Vielleicht darf ich mich hier mit einer Frage anschließen, auch wenn ich einige Generationen später unterwegs bin? Es geht um eine Familie Schaub aus Wittinsburg - und die dortigen Schaubs haben mich in den vergangenen Tagen reichlich in die Verzweiflung getrieben.

Gesucht ist Judith SCHAUB, erste Ehefrau von Anton RÜGER aus Benken (geb. 1690). Kinder wurden von 1713 bis 1720 in Benken geboren. Sofern die Eheschließung in Benken stattfand, fällt sie damit in die Lücke des Kirchenbuches. Judith starb zwischen Dezember 1720 und Ende 1722 und demnach auch in der Kirchenbuchlücke.

Anton Rüger war danach mit Anna Margaretha SCHAUB aus Benken (geb. 1700) verheiratet, die im Dezember 1730 starb, und danach mit Barbara WÜRTZ, Witwe von Jacob SCHAUB aus Wittinsburg (dieser geb. Känerkinden 1680, gest. 1730 Wittinsburg). Natürlich ist es auffällig, dass Anton also dreimal mit direkten oder mittelbaren Mitgliedern der Familie Schaub zu tun hatte. Es ist mir bisher aber nicht gelungen, eine Verbindung zwischen diesen drei Familien herzustellen.

Judith Schaub jedenfalls wird im Internet mit Geburts- bzw. Taufdatum 25. August 1689 angegeben, mit Ort Benken, aber auch Bubendorf, Basel und Binningen. Letzteres war schließlich die richtige Spur. Nur - wie belege ich einen Zusammenhang, wenn die Kirchenbücher von Benken an der entscheidenden Stelle eine Lücke haben? In Binningen jedenfalls fand sich keinerlei weitere Spur von Judith. (Ich bin zwar Profi, aber normalerweise in Deutschland unterwegs und daher viel zu wenig vertraut mit der Schweiz.)

Verstehe ich es richtig, dass die Überlieferung zu den Bürgern im jeweiligen lokalen Zivilstandsamt zu finden ist? Besteht die Hoffnung, irgendetwas im Staatsarchiv Basel(-Land) zu finden, und wenn ja, was? Anton Rüger samt Familie ist 1737 nach Amerika ausgewandert; diesbezügliche Unterlagen scheinen sich im Staatsarchiv Basel(-Stadt) zu befinden.

Der Vater der 1689 geborenen Judith Schaub war Martin SCHAUB aus Wittinsburg. Nach meiner bisherigen Rekonstruktion handelt es sich um den Martin, der 1655 geboren wurde, 1680 Anna SCHOLER aus Zunzgen heiratete, 1682 mit ihr ein Kind in Wittinsburg hatte und 1687 bis 1692 drei Kinder in Klein Gundeldingen. Diese letzteren drei Einträge geben ihn als "jetzt" Lehenmann in Klein Gundeldingen an, ich gehe daher davon aus, dass er seine Zugehörigkeit zu Wittinsburg nicht aufgegeben hat. Zu unbekanntem Zeitpunkt muss er auch nach Wittinsburg zurückgekehrt sein, wo er 1730 starb. Zusätzlich gehe ich spekulativ davon aus, dass dieser Martin derjenige ist, dessen Sohn Matthias 1704 im Alter von 20 1/2 Jahren in Benken starb; der Vater wird als ehemaliger (aber nicht zwingend verstorbener) Schlossmeier in Benken angegeben. Dieser Matthias wurde aber weder in Wittinsburg noch in Benken geboren.

Gibt es in den Archiven (und wenn ja, in welchem) Unterlagen, die über den Lehenmann in Klein Gundeldingen bzw. Schlossmeier in Benken Auskunft geben könnten? Wie finde ich heraus, um welches Lehen/Hofgut es sich jeweils handelt?

Ich freue mich über jeden Hinweis ... und teile gern den Wust von Schaubs, die ich aus den Kirchenbüchern zusammengesammelt habe, bei denen sich allerdings insgesamt mehr Fragen als Antworten ergeben.

Sabine Schleichert

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Sun 3. Nov 2019, 17:19
by Peter.D
Hallo Sabine

Die Familie Schaub-Scholer ist in der HiPeBa recht gut dokumentiert. Da es zur gleichen Zeit mehrere Martin Schaub in Wittinsburg gab, ist die Abstammung nicht mehr sicher zu bestimmen. Wenn es sich aber wirklich um den Sohn von Adam Schaub-Buser handelt, so wäre er am 27.3.1655 in Wittinsburg geboren und am 16.4.1730 dort verstorben.

Auf den Schlösschen und Landgütern der reichen Basler auf der Landschaft waren meist Pächter aus dem Baselbiet eingesetzt. Die Verträge wurden in der Regel über 6 Jahre abgeschlossen, oft aber auch vorzeitig aufgelöst.
Entlang der heutigen Gundeldingerstrasse im Süden der Stadt gab es das Grosse Gundeldingen (auf dem zur gleichen Zeit ein Heinrich Schaub-Seiler aus Wittinsburg Pächter war) und 3 Kleine Gundeldingen. Da diese Güter in privatem Besitz waren, gibt es im Staatsarchiv Basel-Stadt nur wenige Dokumente. Am besten machst du eine Volltextsuche im Online-Katalog.
Das Schloss Benken war ursprünglich auch in privatem Besitz, kam jedoch nach 1666 aufgrund eines Konkurses in das Eigentum der Gemeinde. Im Staatsarchiv Baselland findest du im Katalog einige Dokumente dazu. Die Pächter sind in den Konkursunterlagen eventuell dann vermerkt, wenn es noch Forderungen gegenüber ihnen gab, z.B. noch nicht bezahlte Pachtzinsen.

Die Zivilstandsämter der beiden Kantone verwahren hingegen - wie meist in der Schweiz - nur Register und Dokumente ab 1876.

Peter

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Wed 6. Nov 2019, 14:47
by Picea abies
Unter Annahme, dass ich bei Sabine offene Türen einrenne - da sie diese Daten bereits selbst erhoben hat - für die übrigen Leser eine Zusammenstellung der Fam. Schaub-Scholer

Schaub Martin, von Wittinsburg, get. Rümlingen 27.03.1655, gest. Wittinsburg 26.04.1730, begr. Rümlingen 28.04.1730
Eltern: Adam Schaub, Martins sel. Sohn, u. Buser Barbara, von Diepflingen, oo Rümlingen 28.02.1654 (bei d. oo die Taufe d. B.B. vom 01.04.1633 in Sissach, eingetragen).
Ehe Rümlingen 16.11.1680 mit
Scholer Anna, von Zunzgen, get. Sissach Juli 1655 (Tag fehlt, nach d. 15.), Gelterkinden begr. 03.01.1742, Eltern: Matthis Scholer, oo Sissach 30.11.1652 m. Senn Maria, von Zunzgen
Kinder:
Anna, get. Rümlingen 13.04.1682
Matthias, get. St. Jakob Basel, 15.06.1684, begr. Biel-Benken 22.01.1704
Maria, get. Binningen 25.09.1687
JUDITH, get. Binningen 25.08.1689
Hans Jakob, get. Binningen 17.10.1692
Martin, get. Biel-Benken 30.08.1696, + Wittinsburg 31.12.1765, begr. Rüml. 01.01.1766

Mit besten Forscherwünschen, Werner

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Thu 7. Nov 2019, 21:16
by wolfswald
Hallo Peter,

vielen herzlichen Dank für den extrem wichtigen Hinweis auf die HiPeBa-Datenbank. Bei der Gelegenheit bin ich dann auch noch auf (mutmaßlich) Deine Veröffentlichung zu den Kirchenbüchern etc. von Basel-Stadt gestoßen - herzlichen Dank auch dafür. (Bestellung geht demnächst raus.) Eine Nachfrage hätte ich. Inzwischen habe ich verstanden, dass es Bürgerregister auf kantonaler Ebene gibt (die für Basel-Land erst ab 1929, schrieb mir ein Kollege), daneben - das habe ich aus der Veröffentlichung gelernt - aber auch Haushaltrödel auf Gemeindeebene. Wo finde ich denn die? Konkret wären die von Wittinsburg und Benken am interessantesten.

Mit Werner bin ich ebenfalls der Meinung, dass es sich bei dem Ehemann der Anna Scholer um den 1655 getauften Martin Schaub handelt. Die Taufe der ersten Tochter 1682 nennt den Vater als Adams Sohn, und sowohl meine eigenen Grabungen als auch die Datenbank haben hierfür keinen anderen Kandidaten zu Tage gefördert.

Und ebenfalls die Datenbank liefert keine andere Kandidatin für Judith Schaub, die Ausgangspunkt meiner Suche war, da die drei anderen, 1674, 1679 und 1702 geboren, nicht in Frage kommen. Judith hatte ab 1713 bis 1720 Kinder, die beiden von 1674 und 1679 sind in den Kirchenbüchern hinreichend identifiziert, und die von 1702 ist zu jung.

Mit der Rekonstruktion der Familie Anton Rüeger in der Datenbank bin ich allerdings nicht einverstanden. Sie beruht wohl nicht zuletzt auf den Angaben bei Faust/Brumbaugh, Lists of Swiss Emigrants (also den Auswandererakten), aber die dortigen Angaben unterschlagen, dass es drei Ehefrauen gab und nicht zwei. Die in der HiPeBa-Datenbank (und ebenso in diversen Stammbäumen bei Ancestry etc.) als erste Ehefrau genannte Margaretha Schaub war die zweite. Das geht schon deshalb nicht anders, weil sie sonst mit 12 1/2 Jahren das erste eheliche Kind bekommen hätte. Die Kinder von 1713 bis 1720 gehören zu Judith, die Mutter wird auch durchgängig als Judith angegeben. Beide (erste und zweite) Ehen ebenso wie der Tod von Judith fallen offensichtlich in die Kirchenbuchlücke von Benken.

Anton Rüeger war mit zwei Ehefrauen Schaub verheiratet und mit Barbara Würtz (Wirz), die Witwe von Jakob Schaub aus Känerkinden bzw. Wittinsburg war. Auch wenn die erste Ehefrau und dieser Jakob Schaub beide ursprünglich aus Wittinsburg kommen, war es mir nicht möglich, eine Verbindung zwischen diesen drei Gruppen herzustellen.

Herzlichen Dank für die kompetente Hilfe!
Sabine

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Thu 7. Nov 2019, 22:45
by Peter.D
Hallo Sabine

Familienregister waren auf Bundesebene erst ab 1929 obligatorisch. Mehrere Kantone hatten aber bereits wesentlich früher den Gemeinden die Führung von Bürgerregistern (auch Ortsbürgerregister genannt) vorgeschrieben, so insbesondere im Aargau ab 1818 und in Bern ab 1822. Basel-Stadt begann 1855, mit einiger Rückerfassung, und Baselland 1881, mit teilweiser Rückerfassung bis etwa 1850. Die Familienregister von Baselland befinden sich m.W. immer noch beim (einzigen) kantonalen Zivilstandsamt in Arlesheim.

Zuvor gab es in Baselland aber auch pfarramtliche Bürgerregister, die jedoch je nach Kirchgemeinde äusserst unterschiedlich weit zurückreichen, soweit sie überhaupt vorhanden sind. Diese kirchlichen Familienregister wurden vom Staatsarchiv weitestgehend digitalisiert und im Katalog der Kirchenbücher verzeichnet. In Wittinsburg sind Familien ab Ende des 18. Jh., in Biel-Benken sogar ab etwa Mitte des 18. Jh. erfasst.

Peter

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Fri 8. Nov 2019, 18:01
by wolfswald
Hallo Peter,

herzlichen Dank für die Klarstellung. Damit sehe ich jetzt etwas klarer.

Nachtrag: die Protokolle des Basler Kleinen Rats belegen, dass Anton Rüger in der Tat dreimal verheiratet war und nicht nur zweimal, wie allgemein angenommen.

Gruß
Sabine

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Sat 9. Nov 2019, 08:48
by Peter.D
Hallo Sabine

In welchem Zusammenhang und wann befasste sich der Kleine Rat mit Anton Rüger? Eine Heiratsbewilligung?

Peter

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Tue 12. Nov 2019, 14:24
by wolfswald
Protokolle Kleiner Rat, Bd. 108, fol. 396r, 1737 Apr 27 (in den allgemeinen Zusammenhang gehören außerdem 136r, 366v, 379r):
Anton Rüger aus Benken und andere (die gesamte Gruppe ist namentlich aufgeführt) beantragen Auswanderungserlaubnis in die Pfalz oder anderswohin (die Marginalie sagt auch Amerika). Der Rat lässt erst noch Erkundigungen einziehen (den diesbezüglichen Bericht und das Ergebnis habe ich noch nicht gefunden). Tatsächlich ist die gesamte Gruppe im September 1737 mit "Virtuous Grace" in Philadelphia angekommen, ein Großteil hat sich im heutigen West Virginia angesiedelt.

Schaub aus Wittinsburg spielen hier insofern mit hinein, als Antons erste Ehefrau Judith dazu gehört (Tochter des genannten Martin), und die dritte Ehefrau Barbara Würtz vorher mit Jakob Schaub aus Wittinsburg (1680-1730) verheiratet war; Kinder aus dieser Ehe wandern ebenfalls aus. (Die zweite Ehefrau, von der ebenfalls Kinder auswandern, ist auch eine Schaub, aber aus Benken. Die Familie hat mich fast in den Wahnsinn getrieben.)

Ich freue mich über jeden Hinweis auf weitere Archivalien zu der Familie; die Online-Kataloge der beiden Staatsarchive habe ich inzwischen durchgegraben, doch manches scheitert einfach an mangelnden Kenntnissen über die Verwaltungsstruktur.

Gruß und Dank
Sabine

Re: Schaub von Wittinsburg BL

Posted: Wed 13. Nov 2019, 18:45
by Peter.D
Rechtlich blieben die Bewohner der Landschaft bis 1791 Leibeigene der Stadt. Faktisch wirkte sich das praktisch nur noch finanziell aus. So mussten die Landbewohner bei der Heirat einer 'fremden' Frau Gebühren entrichten und sich bei der Auswanderung zuerst freikaufen (Manumission). Den Abzug auf dem mitgenommenen Vermögen mussten jedoch in der Regel auch die Städter bezahlen. Für den Verkauf der Liegenschaften (meist eine Vergantung) war ebenfalls eine Bewilligung des Kleinen Rats erforderlich.

Im konkreten Fall der Auswanderungswilligen von Biel-Benken verlangte der Kleine Rat, dass die sogenannten Deputaten (ein Ausschuss des Kleinen Rats) zunächst die Gründe und Umstände für das Verlassen der Heimat erfragen sollen. Die entsprechenden Unterlagen der Deputaten aus jener Zeit befinden sich möglicherweise noch im Staatsarchiv Basel-Stadt.
Für die Verwaltung von Biel-Benken war das Amt Münchenstein zuständig. Die zugehörigen Akten gelangten ziemlich sicher nach der Kantonstrennung 1833 ins Staatsarchiv Baselland. In der Regel bestehen dazu sehr alte detaillierte Verzeichnisse.

Peter