Scharfrichter in der Schweiz

Für nicht kantonsspezifische Fragen. Vos messages ne concernant pas spédifiquement un canton. For your non canton specific questions.

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Wolf
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Scharfrichter in der Schweiz

Post by Wolf » Sun 13. Nov 2005, 14:11

Auf dem Kaster.Net-Forum werden unter dem Thema Scharfrichter, Wasenmeister, Nachrichter und Chirurgen ausführliche Texte zu Scharfrichtern zitiert.

Seit Kurzem gibt es auch eine Mailingliste zum Thema, auf der u.a. auch auf Scharfrichter in der Schweiz eingegangen wird - z.B.:
Scharfrichterfamilien der Ostschweiz
Die Henker im alten Nidwalden
Scharfrichter und Wasenmeister von Luzern
Die Scharfrichterfamilie Hotz aus Herzogenbuchsee
Scharfrichter von Schwyz
Die Scharfrichter von Bern
Scharfrichter und Wasenmeister in Winterthur
Von Wasenmeistern, Scharfrichtern und Ärzten in Burgdorf
Material zu Kienberg SO und Nidwalden

Wer sich mit diesem Themenkreis befasst, kann sich natürlich beim o.g. Forum oder der Mailingliste anmelden - aber auch Beiträge auf diesem Forum (als "Antwort" zu diesem Beitrag - oder als neues Thema zu einem bestimmten Scharfrichtergeschlecht) sind herzlich willkommen, wenn es um die Schweiz geht.

Nachtrag: Um die oben verlinkten Beiträge im Archiv lesen zu können, muss man (inzwischen) bei der Liste angemeldet sein:


Wolf Seelentag, St.Gallen

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Scharfrichter in der Schweiz

Post by Wolf » Sun 13. Nov 2005, 14:15

Eine kurze Zusammenfassung zum Scharfrichterwesen in der Schweiz findet sich im Historischen Lexikon der Schweiz.


Wolf Seelentag, St.Gallen

eritro
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Scharfrichter in der Schweiz

Post by eritro » Mon 12. Jan 2009, 21:04

Einzelne Scharfrichterfamilien haben im Historischen Lexikon der Schweiz einen Artikel erhalten u.a. die Familien Mengis und Näher oder werden wohl noch einen erhalten wie die Familie Volmar.

NACHTRAG zu Näher: Näher in St.Gallen beschreibt ein "Lobgedicht" auf einen Scharfrichter des Namens



Petra
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Scharfrichter in der Schweiz

Post by Petra » Mon 12. Jan 2009, 21:21

Hallo Wolf,

Dein Link zum Kaster.Net-Forum führt leider ins Nichts-!


Viele Grüße aus Stuttgart
Petra (Thal)

Moderatorin Saarland und Rheinland-Pfalz
www.petrathal.de

Dauersuche KABOTH im Raum Namslau und Groß Wartenberg in Niederschlesien
Vagabund Christoph WEININGER aus Ungarn 1760-1830 in Baden-Württemberg

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Scharfrichter in der Schweiz

Post by eritro » Wed 18. Feb 2009, 22:24

Hier habe ich noch eine Ergänzung für den Thread Scharfrichter im Jahrbuch des Oberaargaus 11 (1968), 33-51, gefunden.

Auf der Spur von Scharfrichtern in und aus Herzogenbuchsee



Stephleuen
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Scharfrichter in der Schweiz

Post by Stephleuen » Thu 19. Feb 2009, 09:03

Guten Tag alle zusammen

Die hier bereits zitierte Familie Hotz, ist neu für mich, dass die auch Scharfrichter waren.

Die Familie Hotz war bis ca. Mitte 19. Jahrhundert in Huttwil verbürgert. Einer der bekanntesten Vertreter war Joseph Hotz, Wasemmeister und Arzt in Huttwil. Er erwarb später in Bern die Doktorwürde eines Mediciners. Sofern die Rechercherchen die sich im Moment bei mir befinden Richtig sind, verlor seine Frau während den Freischarenzügen ihr Leben. Joseph Hotz war als Doktorseppli im Emmental sehr beliebt und bekannt. Gewohnt und aufgewachsen ist er in Huttwil im Dokterhüsli. Auch Gotthelf berichtet über ihn. Nachdem sich seine Einzige Tochter Barbara mit Jakob Leuenberger vom Lindenholz verheiratete, wechselte er seinen Wohnsitz ins Lindenholz. Später heiratete er ein zweites mal eine Frau die bereits einen SOhn hatte.

Zeitgleich wie sein Schwiegersohn erwarb er 1844 das Bürgerrecht der Stadt Burgdorf. Ich würde sagar meinen er hatte dort ein Haus und sei dort begraben. Die Linie Hotz von Huttwil starb nach ihm aus.

Wer sich um diese sehr interessante Persöhnlichkeit interessiert kann sich bei mir melden. Hotz hat unter anderem auch das Kinderheim Mettmenegg, im an Huttwil angrenzenden Kanton Luzern gegründet. Allerdings brannte dieses nieder und Hotz hat es, da er vermutlich bereits krank war nicht wieder aufgebaut.

In Huttwil wird so viel ich weis von Zeit zu Zeit das Theater "Der Doktorseppli" aufgeführt.

Gruss

Stephan Leuenberger



Stephan Leuenberger
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Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung
Genealogisch Heraldische Geselschaft Bern
Jahrbuchvereinigung Oberaargau

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Scharfrichter in der Schweiz

Post by Aspis » Fri 20. Feb 2009, 23:53

Am Donnerstag, den 9. März 1995 erschien im Limmattaler Tagblatt ein Artikel mit dem Titel "DER LETZTE AARGAUER HENKER".
Brugg/Fricktal - Scharfrichterdynastien wurzelten auch in aargauischen Gebieten.

Eine Hinrichtung war im schweizerischen Bundesstaat nach 1848 ein recht häufiges Ereignis. Unvergessen ist im Aargau die Enthauptung des Meisterdiebes Bernhart Matter, 1854 durch den Schwerthieb des Fricktaler Scharfrichters Franz Josef Mengis (1801-1872) vollzogen. Eine Begegnung mit dessen Grossneffen Theodor Mengis (1881-1958) ist Dr. Boris Pritzker, einem in der Klinik Königsfelden tätig gewesenen Psychiater, zu verdanken.

VON MARTI PRITZKER-EHRLICH

(Der Zeitungsartikel, der dazu gehört, umfasst eine ganze Zeitungs-Seite)
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Gruss Theo

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Roadrunner

Der Scharfrichter von Bern und James Fenimore Cooper

Post by Roadrunner » Wed 17. Feb 2010, 21:46

JAMES FENIMORE COOPERS DARSTELLUNG VON DEM SCHARFRICHTER VON BERN

Ich habe gerade James Fenimore Coopers THE HEADSMAN; or, THE ABBAYE DES VIGNERONS (1833) gelesen.

In diesem Roman behauptet Cooper, dass das Amt des HEADSMAN [=Scharfrichters von Bern] als „erblich“ gesetzlich niederlegt sei. Wenn ich aber die Namensliste der Berner Scharfrichter in Peter Sommers SCHARFRICHTER VON BERN (S. 129)* anschaue, ist es keinesfalls offensichtlich, dass Coopers Behauptung stimmt. Dass der Sohn eines Scharfrichters „gesellschaftlich genötigt“ wurde, selbst Scharfrichter zu werden, scheint mir plausibler. Auch Sommers Hinweis auf „die Zunftordnungen“ ist meines Erachtens nicht mit einem vererbten Henkersberuf gleichzusetzen. Dass „Scharfrichterdynastien“ existierten, kam eher durch die gesellschaftliche Ächtung des Scharfrichters als durch Gesetze, die den Henkersberuf als erblich verankerten, zustande.

Da Coopers Roman auch als eine Anklage gegen die Ungerechtigkeit der Gesetze Berns aufgefasst werden kann, eben weil das Amt des Scharfrichters unweigerlich vererbt wird, egal ob der Nachfolger gerne Scharfrichter sein will oder nicht, ist es erstaunlich, dass – meines Wissens – niemand, nicht mal ein Schweizer, versucht hat, diese Behauptung zu widerlegen oder – zumindest – abzuschwächen.

Ein Auszug aus Sommers Buch (S. 18-19):

„Die Folgen der sozialen Ächtung drangen in alle Bereiche des Lebens hinein, prägten das Dasein des Scharfrichters bis in die kleinsten Äußerlichkeiten. In der ständisch festgefügten Gesellschaft war er ein Ausgestoßener. Die Zunftordnungen der ehrbaren städtischen Handwerker verwehrten jedem ‚Unehrlichen‘ den Zugang zu ihren Berufen. Ein Berufswechsel war also praktisch ausgeschlossen; die wenigen Ausnahmen, denen umständliche Gnadenakte, ‚Ehrlichsprechungen,‘ durch die Obrigkeiten vorausgehen mußten, bestätigten Henker, mit ihm seine ganze Familie, war ein Gefangener seines Berufes, seines verachteten Standes.
Dem Sohn eines Henkers standen nur wenige Möglichkeiten offen. Oft verbrachte er seine Lehrzeit als Henkersknecht in einer fremden Stadt, stieg zum Gesellen auf und leistete sein ‚Meisterstück‘, eine gelungene Enthauptung. War er noch minderjährig, so konnte ihm auch der ‚Dienst aufbehalten‘ werden, bis er fähig war, das Amt seines Vaters anzutreten. Wasenmeister zu werden bedeutete einen beruflichen Abstieg. Henkerstöchter mußten, wie andere Mädchen ihrer Zeit auch, bis zu ihrer Heirat am elterlichen Herd ausharren. Doch die Aussichten, einen Mann zu bekommen, waren beschränkt, waren gleich eingeengt wie die Chancen eines ledigen Henkers, unter den Scharfrichtertöchtern und –witwen des landes die Richtige zu finden. Aber im allgemeinen fand man sich; die versippten, oft ‚interkantonal‘ und international verschwägerten Scharfrichterdynastien bewiesen es.“


Als Cooper 1828 in Bern wohnte, heißt es, dass er die Geschichte Berns in der dortigen Bibliothek studierte. Ist Cooper wirklich auf ein Gesetz Berns gestoßen? Kennt jemand im Forum ein Gesetz von Bern, wonach der Beruf des Scharfrichters an den Sohn weitergegeben werden muß?


*Sommer, Peter, Scharfrichter von Berne (Bern: Lukianos-Verlag Hans Erpf, 1. Auflage, 1969)



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Re: Scharfrichter in der Schweiz

Post by Aspis » Wed 28. May 2014, 14:51

Im Kanton Baselland, in Sissach gibt es ein Henkermuseum:

http://www.henkermuseum.ch/


Gruss Theo

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Re: Scharfrichter in der Schweiz

Post by Aspis » Mon 11. Jun 2018, 18:37

Am 5. Mai 2018 Ausflug mit Stadtverein nach Baden im Kanton Aargau. Es gab 3 Gruppenführungen. Ich war bei der Gruppe Hexen und Henker etc.
Der Führungsleiter zeigte bei einem Rundgang u. a. das Haus des Scharfrichters mit der gelben Fassade. Er erklärte, dass die Farbe Gelb die Farbe der Schande gewesen sei, denn ein Scharfrichter gehöre nicht zu dem "ehrenfaften Volk". Eine Zeichnung zeigte den Scharfrichter in einer Gaststube, wo er alleine an einem Tisch sass. Als unehrenhafter Mensch durfte er nicht mit den anderen Gästen an einem Tisch sitzen und mit ihnen in Kontakt kommen. Am Regal an der Wand über seinem Tisch war eine Kette, wo der Trinkbecher angemacht war. Dieser durfte nicht mit anderen verwechselt werden oder jemand anders daraus trinken. Man könnte dadurch seine "Ehre" verlieren.
Ein weiteres Thema war die Hexenverbrennung.

Dietikon gehörte eine zeitlang zum "Kanton Baden" das eine Vogtei war.


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Re: Scharfrichter / Carnifex Schweiz

Post by Bochtella » Thu 9. May 2019, 09:13

Grüezi Lesende,

weitere Beiträge zu Scharfrichtern in der Schweiz, in Historisches Familienlexikon der Schweiz. Mit den Beiträgen:
Die Scharfrichter der Vier Unteraargauischen Städte von 1574 bis 1798.
Die Scharfrichter in Schwyz.
Von Wasenmeistern, Scharfrichtern und Ärzten.
Der Henker von Solothurn.
Die Henker im alten Nidwalden.

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Re: Scharfrichter in der Schweiz

Post by Aspis » Thu 9. May 2019, 11:01

Mein Post vom 20. Februar 2009:
Der Freund B. (Stelle mit rotem * markiert) aus Dietikon hiess Bachmann. Mein Vater erzählte mir in den 50er-Jahren, dass man früher hinter hohler Hand von einem "Henker-Bachmann" gesprochen habe.


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