Scharfrichter, Nachrichter, Schinderknechte

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dz
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Re: Scharfrichtersippen HOF/HOFF/HUFF und LEHR/LÖHR/LOHRI/LAURY

Beitrag von dz » Fr 8. Mai 2020, 16:19

Hallo liebe Liste,

unter meinen Vorfahren habe ich den "Chirurgen und Arzt" Johann Georg HAMEL, *27.10.1704 in Feudingerhütte, Er war verheiratet mit einer Anna Margarethe NN. Ich vermute, dass sie entweder aus der Scharfrichtersippe HOF/HOFF/HUFF oder der Sippe LEHR/LÖHR/LOHRI/LAURY stammte. Hat jemand Informationen zu diesen beiden Sippen ?

Dirk


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Re: Scharfrichter, Nachrichter, Schinderknechte

Beitrag von dz » Sa 9. Mai 2020, 17:24

TOUBA, Jacques, Lothringer Scharfrichter, in: Jahrbuch der Elsass-Lothringischen Wissenschaftlichen Gesellschaft zu Strassburg, Bd. 11 (1938), S. 160-184. (digitalisat) im Internet bei http://gallica.bnf.fr

Bauer, Burkhard, Carp, Lander, Cané, Dillenburger, Knapp, Hermann, Grauel u.a.

Dirk


dz

murgtäler
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Re: Scharfrichter, Nachrichter, Schinderknechte

Beitrag von murgtäler » Mo 20. Jul 2020, 12:01

RITTER, Johannes, Scharfrichter in Gengenbach (um 1754).

Quelle: "Chronik der Stadt Zell am Harmersbach" von Franz Disch, 1937, Seite
Zitat:
"Die Reichsstadt Zell hielt keinen eigenen Scharfrichter, obwohl ihr dieses Recht 'freystand', sondern vereidigte 'zu Ersparung der Cösten' den Gengenbacher Henker für dieses Amt, bezahlte ihm ein gewisses Wartgeld und für seine Arbeit festgesetzte Gebühren, sogenannte 'Malefiz-Taxen'. So bezog 1754 Scharfrichter Johannes Ritter 15 fl. Wartgeld, von einem 'Justicierenden' 4 fl. Das von ihm gebrauchte Richtschwert befindet sich heute noch auf der Gengenbacher Ratskanzlei und zeigt auf der einen Seite die Inschrift:
'Die Hersen steuern dem Unheil
Ich exequiere ihr Endt-Urtheil.'
Auf der anderen Seite:
'Wenn ich das Schwert tue aufheben
Wünsche ich dem Sünder das ewige Leben.
1698.'"

Viele Grüße
Gerd (murgtäler)



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Erich

Beitrag von clarissa1874 » Fr 25. Sep 2020, 20:16

Michael ERICH
Scharfrichtergeselle aus Eisleben, Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt
und
Dorothea MATTHEUß
Jungfrau aus Schlesien
Vater: Christoph MATTHEUß
oo 20.09.1678 in Graudenz

Quelle:
Evangelische Trauungen 1660-1774 Graudenz, Kreis Graudenz, Westpreußen



Ambrosius1
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Re: Scharfrichter, Nachrichter, Schinderknechte

Beitrag von Ambrosius1 » Di 6. Okt 2020, 10:06

Hallo,
was ist denn aus der im 1. Beitrag geplanten Datenbank geworden?

Kennt / hat jemand Teil 3 von Glenzdorf /Treichel?
Gruß aus Thüringen

Meister Ambrosius



Ambrosius1
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Re: Scharfrichter, Nachrichter, Schinderknechte

Beitrag von Ambrosius1 » Fr 16. Okt 2020, 15:04

Hallo,
ich garniere meinen Ahnen- und Verwandtenbaum gern mit den Portraits der jeweiligen Personen. Fotos vor 1840 findet man logischerweise nicht.

Ich möchte das mal rein auf SR beziehen. Fotos gibt es von denen eh nicht so viele. Also hab ich nach anderen "Abkonterfeyungen" gesucht. Also Gemälde und Stiche, Grafiken habe ich ca. 40 Stück gefunden in Archiven, Bibliotheken, Galerien. Und das wars? Habt ihr Portraits von SR?

Beim Suchen dieser "Konterfei" en kam ich auf die Idee, stattdessen nach Bildern von Hinrichtungen zu suchen. Wenn ein Ort und ein Jahr dabei ist, sollte theoretisch klar oder wahrscheinlich sein, welcher der SR dort abgebildet ist. Und damit hätte ich dann ein Bild vom SR "bei der Arbeit". Davon habe ich nun ca. 600. Aber die Zuordnung macht mir nun weitere Probleme.

z.Bsp.: Wer war der SR in Nürnberg 1396?
Die Liste in Wiki ist sehr dürftig:
nürnberg-Wiki.jpg
Deshalb habe ich weiter recherchiert und danach diese Liste erstellt:
nürnberg-Liste.jpg
Gibt es außer bei Wiki irgendwo anders vollständigere Auflistungen? Ansonsten wird das ein hartes Stück Recherchearbeit.

Danke
Meister Ambrosius
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Jogi
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Henkersgässchen (auch: Schindergasse) in Trier

Beitrag von Jogi » Di 18. Mai 2021, 17:51

Henkersgässchen (auch: Schindergasse) in Trier
Sie hat ihren Namen von den Henkern der Stadt Trier, die dort wohnten. In Trier ist der Beruf des Henkers seit dem Ende des 12. Jahrhunderts nachgewiesen.
Der Henker (lat. Carnifex) gehörte damals zu den „unehrenhaften“ Berufen, wie „Wasenmeister“ (= Abdecker), Schinder (= Abhäuter) oder Scharfrichter. Sie hatten auf behördliche Anordnung im Gasthaus an einem besonderen Tisch zu sitzen, selbst in der Kirche hatten sie ihre eigene Bank.
Die verschiedenen Namen für den Berufsstand rührten aus der Art und Weise, wie sie ihren Beruf ausführten.
Bei Todesurteilen wurde der Delinquent vom Henker am Galgen gehenkt, vom Scharfrichter mit dem Schwert oder später mit dem Beil oder ab der französischen Revolution mit dem Fallbeil der Guillotine gerichtet. Aus dem Mittelalter sind weitere Methoden bekannt, wie vierteilen oder verbrennen. Das schließt nicht aus, dass er auch Strafen unterhalb der Todesstrafe vollstreckte, wie auspeitschen, Hand abhacken, an den Pranger stellen usw.
Auch war er im Mittelalter lange Zeit Gehilfe des untersuchenden Gerichtes um durch Rädern oder mit anderen Marterinstrumenten zur „Wahrheit“, oder was das Gericht dafürhielt, zu kommen. Er bekam für die einzelnen Dienstleistungen ein Entgelt, gestaffelt nach „Schwere der Arbeit“. Von 1 Taler 30 Kreuzer für „mit Instrumenten zur Tortur aufwarten“ = dem Delinquenten die Marterinstrumente zeigen, vorführen um ihm damit zu drohen, bis hin zu 12 Taler, wenn er einen vierteilen musste.
Die Henker heirateten deshalb fast immer untereinander und die Söhne übten meist den Beruf des Vaters aus. Paten und Trauzeugen waren fast alle aus dem gleichen Milieu.
Am 13.4.1512 verkaufte Weber Ludwig als Momper (Anwalt) der Eheleute Schneider Thiel von Boppard ein Haus mit Zubehör in der Henkersgasse neben dem Haus des Schaftrichters, den Eheleuten Hans von Echternach für 18 Gulden.[1] Damals war also schon der Wohnort im Henkershaus in der Henkersgasse bekannt.
Im 17. Jahrhundert war Johann Peter Raach Scharfrichter und Gerichtsdiener in Trier. Er war vor 1660 geboren und starb am 18.4.1739, begraben in der Karmeliterkirche(!). Er heiratete am 20.6.1688 in Trier St. Gangolf die Barbara Back aus Trassem, Tochter eines Scharfrichters, und hatte mit ihr in Trassen 3 und in St. Gangolf 2 weitere Kinder. Bei allen Kindern waren andere Henker, Schinder oder deren Frauen als Paten genannt.

Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Johann Philipp Dillenburg, er war als Scharfrichterknecht bei ihm tätig und hatte am 26.1.1676 die Tochter Catharina Barbara geheiratet. Er war Sohn des Scharfrichters der Vogtei Mettlach. Der Beruf blieb in der Familie. Sein Sohn Philipp Josef Dillenburg (1682 bis 15.1.1738) übernahm das Scharfrichteramt. Dessen Tochter Christina Barbara heiratete wieder einen Rach.
Sein Enkel Johann Peter (1767 bis 1823) war dann Scharfrichter in Trier.[2] Ihm folgte sein Sohn Nikolaus im Amt. So waren die Raach’s rund 200 Jahre Scharfrichter in Trier.
Mitglieder der Raach-Sippe waren außerdem in Echternach, Longwy, Freudenburg, Cochem und an weiteren Orten im Beruf tätig.

Später wurde die Gasse namensmäßig geteilt. Der untere Teil (zum Pferdemarkt) hieß weiter Henkersgässchen, der obere Teil (zum Simeonsstift) hieß dann Simeonstiftsgasse.
Grund war, der untere Teil „des Henkersgässchens mit dem ganzen Pferdemarkt, dem Irrgässchen und der Teutschgasse gehörte zu St. Gangolf. An diese Pfarrei schließt sich der Immunitätsbezirk des Simeonstiftes an, welcher die Kirche St. Simeon, die Gredengasse und einen Teil des Henkersgässchens umfasst.“ [3]
1797 wohnte der wohl letzte Trierer Scharfrichter „Am Pferdsmarkt 1015“.
Der „Nachrichter“ kam nach dem Richter, zur Vollstreckung des Urteils = Scharfrichter.
Weiterhin im Henkersgässchen lagen die beiden Häuser 1050 und 1051, die letztmalig 1848 dort genannt wurden.
Das „Henkerhaus“ mit der Nr. 1050 gehörte 1837 noch dem Nachrichter Nikolaus Raach, der es vermietet hatte.
1853 gab es im Adressbuch kein Henkersgässchen mehr. Alle Häuser lagen nun an der Simeonstiftstraße.
1794 hatten Napoleons Truppen Trier erobert. Ab 1798 wurden die Todesurteile durch die Guillotine vollstreckt. Diese Todesart und das Werkzeug dazu hatten die französischen Besatzer mitgebracht. Die Guillotine traf Ende Oktober 1798 in Trier ein. Ihr Wirkungsweise wurde am 3.November 1798 an einem Hammel ausprobiert. Sie war auf dem Hauptmarkt aufgestellt. Die erste Hinrichtung damit wurde am 30.Mai 1799 – Todesurteil wegen eines Diebstahls – ausgeführt. Bereits am 23.12.1800 ordnete der Regierungskommissar wieder an, das Schafott herzurichten(das Gestell stand, das Fallbeil wurde eingebaut) um einen der als Mörder verurteilt war, mit einem roten Hemdbekleidet zur Hinrichtungsstätte zu führen. [5]
Zwischen 1842 bis 1893 wurden in Trier nur 3 Hinrichtungen vollzogen. Zwei davon im Hof des Gefängnisses, eine öffentlich auf dem Palastparadeplatz. [4]
Und wenn Sie jetzt genau wissen wollen, wo sich das Henkersgässchen befand,
geben sie in ihr ggf. vorhandenes GPS-Gerät folgende Koordinaten ein:
LON=6.639715 LAT=49.759598. Wenn sie den Standort gefunden haben, stehen sie in der heutigen Kutzbachstraße.

Ab 1943 wurde die Straße von Simeonstiftstraße in Kutzbachstraße umbenannt, nach dem Trierer Konservator Friedrich Kutzbach.
Die Todesstrafe wurde am 23.6.1949 mit Inkrafttreten des Grundgesetzes in Deutschland abgeschafft. Erst 1991 wurde sie aus der Landesverfassung Rheinland-Pfalz gestrichen.

Datenquellen
[1] Regester der in den Pfarrarchiven der Stadt Trier aufbewahrten Urkunden
[2] Kirchenbuch Trier St. Gangolf
[3] Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, W. Fabricius, 1913
[4] Trierischer Volksfreund 12.5.2011
[5] Schriftenreihe zur Trierischen Landesgeschichte und Volkskunde 1957

Gruß Jogy



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