Hugenotten und andere reformierte 1688-93 von Mannheim nach Magdeburg

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Deichkind
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Hugenotten und andere reformierte 1688-93 von Mannheim nach Magdeburg

Post by Deichkind » Sun 26. Nov 2017, 10:51

1) Aus Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzer_Kolonie):
Die Französische Kolonie zu Magdeburg (la Colonie Française de Magdebourg) war ein gesondertes, von der Stadt Magdeburg unabhängiges Gemeinwesen in Magdeburg. Sie bestand von 1685 bis 1808 parallel ohne abgegrenztes Territorium zur altstädtischen Bürgerschaft. Ihre Mitglieder waren französische Glaubensflüchtlinge, die unter dem Schutz des Kurfürsten standen. Die Kolonie verfügte über ein eigenes Rathaus, eine Verwaltung, Gericht und eine eigene Bürgergarde.
Die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge in Magdeburg stieß jedoch auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und bei den örtlichen Behörden. Die calvinistischen Neuankömmlinge galten als Ketzer. Kurfürstliche Befehle zur Erleichterung der Ansiedlung, wie die gegen Entschädigung durchzuführende zur Verfügungstellung von Häusern und wüsten Grundstücken, wurden missachtet. Die in der Stadt ansässigen kurfürstlichen Zivil- und Militärbehörden mussten daher ein Teil der Versorgungsaufgaben übernehmen.  

Bis 1703 war die Zahl der französischen Kolonisten auf 1350 Menschen angewachsen. Die wirtschaftliche Situation der französischen Kolonie stellte sich jedoch als schlecht dar. Der Anteil von Handwerkern an den Kolonisten war verhältnismäßig gering. Bedingt durch die Fluchtsituation hatten die Menschen große Teile ihres beweglichen Vermögens zurückgelassen. Viele Flüchtlinge waren arm. Auch wurden, für die damalige Zeit ungewöhnlich, 34 weibliche Haushaltsvorstände (vermutlich die unten genannten Witwen) aufgeführt. Diese Frauen und ihre Familien verdienten sich nur mühsam mit Näharbeiten, zum Ärger alteingesessener Handwerker, ihren Unterhalt.

Die erhofften Manufakturgründungen fanden auch in Magdeburg statt, wo ungefähr 200 bis 250 Flüchtlings-Familien arbeiteten. Es zeigte sich aber bald, dass die dort in für die Zeit großen Stückzahlen hergestellten Waren nur schwer unter der zahlenmäßig und wirtschaftlich schwachen Bevölkerung Brandenburg-Preußens absetzbar waren. Auch Exporte in andere Länder waren nur schwer machbar, da vielfach dort ebenfalls gerade Manufakturen entstanden waren. Es kam daher zu Pleiten und Geschäftsaufgaben, die jeweils auch die wirtschaftliche Existenz der Beschäftigten gefährdete.

Da die Französische Kolonie Menschen vereinte, die aus verschiedenen Gegenden Frankreichs, mit unterschiedlichen Traditionen stammten, war eine herkömmliche Kommunalverwaltung mit einem Bürgermeister und einem Rat nicht geeignet. Die Verwaltung der Kolonie, genannt das Gericht, diente in erster Linie dazu, Streitigkeiten innerhalb der Kolonie zu schlichten. Sie bestand aus einem Direktor, zeitweise einem Stellvertreter, der gleichzeitig Assessor und (geheimer) Schreiber (greffier) war, drei Assessoren, einem Fiskal (er war der öffentliche Vertreter der Kolonie und entsprach einem Amtsanwalt; er stand rangmäßig über den Assessoren), zwei Anwälten, Polizeiassessoren und einem Gerichtsdiener. Französisch war, bis zu ihrer Auflösung 1808, die Korrespondenzsprache der Kolonie.
2) Abschrift aus dem Buch : Kurpfälzische Auswanderer vom Unteren Neckar von Werner Hacker
Bamberger, Peter
Barbier, Abraham, Jean und  Pierre
Bassange, Jayes
Bastien, Jean 
Bailleu, Isaac sen und Isaac jun
Baudox, Antoine
Bentz, Johann Daniel und Philipp Jakob
Besancon, Jonas
Betager, Jean
Billaut, Francois
Blancpain, Ymeron
Bleuzet, Estienne
Böhm, Johann 
Bonenfant, Jean, Ratsverwandter in Mannheim, und Abraham
Bont/Bout, Jean
Boquet, Robert, Ratsverwandter in Mannheim
Bourgeois, Nicolas
Bouxin, Abraham
Braun, Hans Georg
Carpentier, Pierre
Chastain, Moyse und Pierre
Chenebenoist, Jean nd Jeremie
Claris, Jean
Cochain, Pierre
Collier, Pierre
Cordier, David
Couchois, Samuel
Couchar, Pierre
D'arrest, Jean, Bürger in Mannheim 
De Comble, Abel
De la Haye, Jean
De la Place, Antoine, franz. Schulmeister,
De Lattre, Laurent
De la Vigne, David, genannt Lorrette,
De l'Espringel, Pierre Quintin, Jean und Laurent
Destinon, Jean
De Vriene, Abraham
Droz, Jaquest Humbert,
Dubois, Martin
Du Chesne, Jean
Du Four, Piere und Antoine,
Du Hammeaux, Pierre's Witwe
Du Mont, Abraham, David und Jacob
Du Puit, Matthieu,
Du Toiet, Samuel,
Eccard, Frideric, 
Faver, Jean Jaques,
Favrau, Isaac und Jacob,
Fevre, Charle (le Fevre),
Finhaut, Philipe,
Franconnet, Francois,
Freund, Hans Nicol,
Frere, Francois,
Fromencour, Jean,
Fournier, Jean,
Gaufant, Bertram,
Görlitz, Georg,
Geromon, Jaques,
Gillet, Isaac,
Ghimm, N.N., hochdeutscher Pfarrer
Guinain, Danvid und Frideric,
Gruson, Abraham,
Guckmack, Sebastian,
Hartmann, Ehrhard,
Heimberg, Johann Christof,
Heß, Johann,
Jöris, Martin's Witwe,
Küffeler, Johann Jost,
La Rose, Nicolas, Doktor, Jean und Henry,
La Vallee, Isaac,
Lamblet, Jean,
Lannois, Augustin und Pierre,
Le Brun, Pierre und Jaques,
Le Cleregs, Rouland's Witwe,
Leonard, Abraham's Witwe,
Le Quoy, Jaques,
Le Roy, Abraham und Pierre,
Lindemann, Christian,
Livet, Marx,
Loix, Gille,
Major, Jean, 
Manzal, Jean
Marret, Josias,
Mariage, Jaques,
Marck, Clement und Jean, und van der Marck, Rouland,
Martin, Abraham.
Masse, Isaac,
Maschus, Jaque's Witwe,
Mathieu, Pierre's Witwe,
Maigne, David,
Meuville, Jacques,
Micholet, Jean Simeon,
Mois, Francois,
Monnain, Jaques,
Moerelle, Jean Jacques,
Moriz, Michel,
Panhuis, Samuel,
Paret, Jean,
Parguet, Jean le vieil, und le jeune,
Pasture, Jean
Paul-Caspar, Paulus,
Perrain, Charles und Jaques,
Perrin, Adam,
Perdrix, Claude,
Pericard, N.N., französicher Pfarrer,
Petit, Pierre, Jaques, Jean Jaques und Philippe,
Pirard, Jean,
Pitory, David,
Puchet, Jakob, Ratsverwandter in Mannheim,
Reich, Johann Henrich, Stadtschreiber in Mannheim,
Reichmann, Konrad,
Robert, Piere, 
Roseaux, Philippe,
Savary, Jean und Joseph,
Sechehaye, N.N., französicher Schulmeister in Mannheim,
Sechrhaye, Moyse's Witwe und Isaac,
Selos, Louis, 
Senechal, Samuel, 
Siegiers, Antoine's Witwe,
Scabelle, Daniel und Pierre's Witwe,
Soblat, N.N. , französicher Schulmeister,
Soyer, David,
Schaub, Henrich, 
Schneider, Michael
Spring, Johann und Johann Henrich,
Standfurt, Samuel,
Tangre, Jean,
Tybaut, Jean,
Vaudigne, N.N., französicher Schulmeister,
Ver, Nicolas,
Versencour, Gille,
Weiß, Hans Henrich,
Weißhaar, N.N., französischer Schulmeister,
Wourp, Daniel,
Yolains, Michael's Witwe,
Ybauts, Paul's Witwe,
Zahn, Johann Nikolaus,
Zimmermann, Elias,

Im benachbarten "Pfälzerdorf" sind unter den ersten Bürgermeistern und Ratsherren auch Personen, die von Hacker genannt sind. Beide Orte wurden von ehemaligen Mannheimern besiedelt, die alle dem reformierten Glauben anhingen.


1689–1709: Robert I. Boquet aus Mannheim
1689–1700: Jakob I. Granda aus Frankenthal
1691–1699: Josias Maret aus Mannheim
1691–1718: David de la Vigne aus Metz
1692–____: Abraham Rummel aus Frankenthal
1692–1709: Peter Bamberger aus Mannheim
1695–1732: Jobst Heinrich Bauer aus Heidelberg
1695–1700: Theodor Timmermann aus Mannheim https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Timmermann
1699–1702: Johann Philipp Kast aus Straßburg
1699–1719: Jean Martin aus Metz
1700–1722: Peter Sandrart aus Straßburg
1701–1722: Charles Grammont aus Frankenthal
1702–1722: Friedrich Cattoir aus Heidelberg
1709–1734: David Zellikofer v. A. aus St. Gallen
1709–1730: Heinrich Rummel aus Frankenthal
____–1723: Philipp le Brun aus Mannheim
1719–1759: Philipp Riquet aus Frankenthal
1723–1742: Philipp Schwartz aus Zweibrücken
1723–1735: Johann David Raulin aus Mannheim
1723–1742: Jakob II. Grandam aus Frankenthal
1732–1747: Franz Christoph Bauer aus Heidelberg
1735–1774: Abraham Heinecke aus Bremen
1735–1742: Robert II. Boquet aus Mannheim
1742–1787: Dr. Johann Daniel Kessler
1748–1763: Johann Georg Sandrart aus Magdeburg
1748–1763: Ph. Christian Schwartz aus Magdeburg



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