Bürgerregister des Kantons St.Gallen online abrufbar

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Bürgerregister des Kantons St.Gallen online abrufbar

Post by Wolf » Thu 2. May 2019, 12:15

In einem separaten Thema werden Ausgewählte Quellen zur Entwicklung des Ortsbürgerrechts im Kanton St.Gallen beschrieben. Die Bürgerregister-Bände, deren jüngstes Geburtsjahr mehr als 100 Jahre zurück liegt, können jetzt online abgerufen werden: http://scope.staatsarchiv.sg.ch/archivp ... ?id=979091.
Die angegebenen Zeiträume bedürfen dabei einer Erklärung. Die folgenden Erläuterungen gelten insbesondere für die 1835/36 erfassten Register - hier am Beispiel ZVB 99/05.01 Au: Bürgerregister Band I (1803-1889):
StASG-Online-Recherche-BR-Au.jpg
Bezeichnung ................................... Angabe von-bis ..... bedeutet
Entstehungszeitraum (=Geburten) .......... 1803 - 1869 ......... erste Geburt vor 1803 - letzte Geburt = 1869
Entst-zeitraum Streudaten (=Ehen) ......... 1803 - 1868 ......... erste Ehe vor 1803 . - . letzte Ehe nach 1868

Das Jahr der letzten Geburt ist die einzige exakte Jahresangabe: online abrufbar sind nur Bände für die dieses Jahr mehr als 100 Jahre zurück liegt.

Im folgenden Beitrag ist die Sachlage ausführlicher erklärt.

Nachtrag: Bürgerregister in die GHGO-Datenbank integriert.
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Wolf Seelentag, St.Gallen

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Wie sind die Jahresangaben im Online-Katalog also zu interpretieren?

Post by Wolf » Thu 2. May 2019, 12:23

Der angegebene Zeitraum in "ZVB 99 Bürgerregister Digitalisate (1834-1929)" bedarf einer Erläuterung: Die Angabe bezieht sich darauf, dass die Bürgerregister im Kanton St.Gallen 1834 per Gesetz vorgeschrieben und im Jahre 1929 durch die Einführung der Familienregister im Rahmen der Zivilstandsgesetzgebung abgelöst wurden. Erfasst wurden 1835/36 aber mindestens alle zu diesem Zeitpunkt lebenden Ortsbürger, ausserdem wurden die Bürgerregister zumindest tw. auch nach 1929 weitergeführt (v.a. Heirats- und Sterbedaten). Verkompliziert wird die Systematik dadurch, dass in einigen Gemeinden schon vor 1834 Bürgerregister geführt wurden, in der Regel von pfarramtlicher Seite.

1) Die erste Jahreszahl ist bei "Entstehungszeitraum" und "Entstehungszeitraum Streudaten" (in der Regel) identisch (hier 1803) und gibt theoretisch das Jahr der ersten Erstheirat in diesem Band an. Es können aber auch frühere Heiratsjahre auftauchen, wenn man wirklich alle Familien einzeln durchsieht.
2) Die zweite Jahreszahl bei "Entstehungszeitraum Streudaten" gibt das Jahr der letzten Erstheirat in diesem Band an. Zweitheiraten sind aber oft auf der gleichen Seite vermerkt - dementsprechend findet man auch spätere Eheschliessungen. Oft findet man auch noch Heiratsangaben bei den Kindern.
3) Unter "Entstehungszeitraum" gibt die erste Jahreszahl die früheste eheliche Geburt an (unter der Annahme, dass keine früheren Eheschliessungen übersehen wurden). Da bei den meisten Eltern aber auch deren Geburtsdaten angegeben sind, liegen die frühesten Geburtsjahre wesentlich früher. Diese Angabe ist bei der Bestimmung der Schutzfristen allerdings nicht relevant.
4) Relevant ist dagegen das Jahr des jüngsten Geburtseintrages (zweite Jahreszahl unter "Entstehungszeitraum"): dieses muss mindesten 100 Jahre zurück liegen, bis der Band online eingesehen werden kann. Anhand dieser Angabe kann man also entscheiden, ob man auf die Online-Publikation warten oder vorher den Film im Staatsarchiv einsehen will.
5) In manchen Fällen ist der Abstand zwischen letztem Heiratsjahr und letztem Geburtsjahr sehr gross - z.B. in Degersheim: letzte Eheschliessung 1858, letzte Geburt 1894 ... 36 Jahre nach Eheschliessung? In solchen Fällen handelt es sich um uneheliche Kinder einer Tochter, die auf der Seite der Eltern eingetragen wurden.

Im folgenden Beitrag sollen diese Hinweis anhand ausgewählter Seiten veranschaulicht werden.


Wolf Seelentag, St.Gallen

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Ausgewählte Beispielseiten aus dem Bürgerregister Au, Band 1

Post by Wolf » Thu 2. May 2019, 12:30

In einem separaten Thema werden Ausgewählte Quellen zur Entwicklung des Ortsbürgerrechts im Kanton St.Gallen beschrieben. Die folgenden Erläuterungen gelten insbesondere für die 1835/36 erfassten Register - hier am Beispiel ZVB 99/05.01 Au: Bürgerregister Band I (1803-1889):

Die zum Zeitpunkt der Erfassung lebenden Ehepaare wurden alphabetisch aufgezeichnet - entsprechend beginnt das Register auf Seite 1 mit einer Einzelperson Bösch (Linie erloschen), dann folgen ab Seite 2 (Aufnahme 5) Frey (heute Frei) mit
- Frey Konrad (1793-1856), der 1829 die Küng Anna Maria (1803-1885) geheiratet hatte und 1830-1840 Kinder taufen liess.
- Frey Anton Joseph (1806-1874), der 1831 die Zoller Marianna Rosalia (1805-1861) geheiratet hatte und 1832-1856 Kinder taufen liess.
Auf Seite 6 (Aufnahme 7) findet sich das Heiratsjahr 1803 (siehe Entstehungszeitraum).
Ab Seite 12 (Aufnahme 10) geht es dann mit Friedauer weiter, wo sich auch eine Heirat von 1802 findet.
Auf Seite 15 (Aufnahme 11) findet sich das Heiratsjahr 1795 (immer noch Friedauer).
Auf Seite 119 (Aufnahme 63) findet sich der letzte Eintrag Zoller, danach ein paar wenige Nachträge, bevor die Einträge einigermassen chronologisch ab Heiratsjahr 1836 weitergehen.
Auf Seite 242 (Aufnahme 124) finden sich die letzten beiden Familien mit Heiraten (der Ehemänner) 1867 bzw. 1868. Ein Witwe heiratet allerdings 1878 ein zweites Mal, bei den Kindern finden sich (auf dieser Seite) Heiratsdaten bis 1911.
Danach kommt das Namensregister für diesen Band - das in der Beschreibung nicht erwähnt wird, im Gegensatz zum Übersichtsregister aller 3 Bände aber online abrufbar ist.


Wolf Seelentag, St.Gallen

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Bürgerregister in die GHGO-Datenbank integriert

Post by Wolf » Wed 15. May 2019, 15:39

Inzwischen wurden die Daten der Bürgerregister des Kantons St.Gallen (einschl. direkter Links) in die GHGO-Datenbank integriert. Die Ortssuche über https://kb.ghgo.ch/ bietet den Vorteil, dass zu einer Gemeinde nicht nur die kantonalen Bürgerregister, sondern auch die in vielen Pfarreien geführten Familienbücher angezeigt werden (neben den anderen Kirchenbüchern), die in Form und Inhalt den kantonalen Registern oft sehr ähnlich sind.


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Wie "lese" ich die Bürgerregister ?

Post by Wolf » Wed 22. May 2019, 22:47

Im Folgenden soll anhand eines Beispiels (Brunner von St.Peterzell) das "Lesen" der Bürgerregister veranschaulicht werden. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Bürgerregister absolut identisch geführt wurden, Abweichungen vom Beispiel also vorkommen können.
StPeterzell-BR2-688-Brunner_Detail.jpg
Dieses Familienblatt ist im o.g. Thema verlinkt. Wichtig für die Querverweise sind die Seitenzahl (nicht immer vorhanden) bzw. die Familiennummer (in diesem Fall Band II / Familie 688).
Die Eltern des Ehemannes (sofern Daten bekannt) sind hier in der Spalte über seinem Namen eingetragen; manchmal sind sie auch oberhalb des Formulars, manchmal gar nicht angegeben. Entscheidend ist hier der Verweis auf Band I / "Seite" 426 (hier als Familiennummer zu verstehen) für die Eltern des Ehemannes.
Die Eltern der Ehefrau sind in der Regel unter ihren Namen angegeben; wenn die Eltern Ortsbürger waren, kann stattdessen ebenfalls auf Band / Seite verwiesen sein.
StPeterzell-BR1-426-Brunner_Detail.jpg
Unter Band I / Nummer 426 finden wir also die Details zu den Eltern des Ehemannes (Nr.688). Seine Grosseltern sind nur noch mit Namen, aber ohne Daten genannt. Wenn Daten (oder sogar die Namen) fehlen, gibt es dafür im Wesentlichen zwei Gründe:
1) Die (Gross-)Eltern waren bei der Erfassung der Register in den Jahren 1835/36 bereits verstorben.
2) Die (Gross-)Eltern waren keine Ortsbürger und keine Daten bekannt. Die Hinweisung "von ?" scheint hier darauf hinzuweisen.
Im Taufeintrag 08.08.1820 lesen wir aber, dass der Vater "v(on) h(ier)" war ... also vielleicht eher 1835/36 schon verstorben?
Im Heiratseintrag 11.04.1820 lesen wir nun, dass beide Ehepartner verwitwet waren (und die Heirat nur 4 Monate vor der Geburt auch dringend angezeigt war) ... es erscheint also durchaus plausibel, dass beide 1835/36 schon verstorben waren.
Für die Zeit vor den Bürgerregistern sind die Kirchenbücher zu Rate zu ziehen. Es ist zu empfehlen, dabei zuerst immer zu kontrollieren (in der GHGO-Datenbank), ob der Pfarrer vielleicht Familienbücher geführt hat ... die tw. in die Zeit vor den Bürgerbüchern zurückreichen. In St.Peterzell haben wir Glück - im Familienbuch finden wir tatsächlich Ulrich Brunner und seine beiden Ehefrauen. Die Eltern von Jonas Brunner sind 1840 bzw. 1847 verstorben ... warum haben sie also kein Familienblatt im Bürgerregister? Bei der Familiennummer 426 finden wir den Hinweis "alte Nummer 459": das deutet darauf hin, dass das erhaltene Bürgerregister die Abschrift eines früheren (nicht mehr erhaltenen) Registers ist ... und da hat man sich ein Familienblatt für ein Ehepaar, das sicher keine weiteren Kinder mehr bekommen würde, evtl. einfach gespart.
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