Berta Schönenberger wurde am 21.02.1900 in
Bazenheid-Neuhaus als einziges Kinde aus Vaters zweiter Ehe geboren und gleichentags in der Pfarrkirche St.Joseph in Bazenheid getauft
[§]. Vater
Franz Anton Schönenberger war Schifflisticker, die Mutter,
Marie Sophie Bösch, stammte aus Wattwil. Als die Stickmaschinen Einzug hielten, verlor der Vater seine Existenzgrundlage. Die kleine Familie zog nach Gossau, wo sie das Restaurant "Säntis" übernehmen konnte.
Berta Schönenberger besuchte die Mädchensekundarschule. Anschliessend kam sie für ein Haushaltlehrjahr ins Institut Leuk im Wallis. Diese Zeit prägte sie zutiefst. Sie sog mit einem immensen Lernwillen alles auf, was ihr geboten wurde. Mit ihrer Wissbegier und ihren Talenten spürte sie den grossen Wunsch, Lehrerin zu werden. Aber es kam anders.
Der Konflikt, sich selbst zu verwirklichen oder die älteren Eltern im Restaurant zu unterstützen, war sehr schmerzhaft und zehrte an ihren Kräften. In ihrer tiefen Religiosität entschloss sie sich ihre Eltern zu unterstützen. Dazu gehörte, dass sie die Gäste mit ihrem Klavierspiel unterhielt.
Die entscheidende Wende erlebte sie mit 26 Jahren, als Paul Löhrer von Waldkirch SG, Grundbuchverwalter in Gossau um ihre Hand bat. Die Heirat fand am
04.09.1926 in Gossau SG statt. Diese Zeit verlangte von Berta Schönenberger eine Höchstleistung als Gattin und als Mutter von 6 Kindern, zwei Buben und vier Mädchen. Davon starb ein Mädchen zwei Wochen nach der Geburt.
[...]
Der plötzliche und unerwartete Tod des Ehemannes am 23. Dezember 1950 (Herzversagen) bedeutete einen abrupten Einschnitt und eine grosse Wende für die Familie. Die Mutter stand allein da mit ihren fünf Kindern, die noch zur Schule gingen oder in der Ausbildung waren.
Sie sah aber auch die Not anderer Menschen. Es waren besonders Mütter, die ein Kind erwarteten und Hilfe im Haushalt brauchten oder kranke Menschen. Ihnen allen sollte eine Hilfe gefunden werden. Aber wie? So machte sich Mama auf die Suche und fand besonders bei Bauerntöchtern in der Umgebung ein offenes Ohr und eine tatkräftige, unbürokratische und überall sehr geschätzte Hilfe.
[...]
Sie erzählte ihrer Tochter, dass sie als junge Frau Talent und Freude am Dichten entdeckt hatte. Damals waren es schön geistige Gedichte aus der jeweiligen Stimmung heraus. Sie spürte das Bedürfnis nach einer objektiven Beurteilung. So schickte sie ein paar Kostproben an den damals bekannten Dichter Pater
Maurus Carnot (
Stiftung). Er fand wohlwollende Worte und ermunterte Mama zum Weiterdichten. In der Zeit, als sie Hausfrau und Mutter wurde, entstanden ihre "Gelegenheitsgedichte". [...] Sie schrieb auch wertvolle Erinnerungsdokumente für die Zeitungen: "
Erinnerungen einer alten Gossauerin" (Oberbergblätter 1977) und "Das Gossauer Unterdorf um die Jahrhundertwende". In köstlichen Aufzeichnungen schilderte sie das Unterdorf mit dem Säntis, dem Haus ihrer Kindheit, dann aber auch das Geschehen rund um den "Säntis" und das ehemalige Doktorhaus.
Adaptiert aus der Lebensgeschichte bei
https://www.frauenspur-gossau.ch/ (und ergänzt)... bei Interesse bitte
hier weiterlesen. Diese ausführliche Biographie enthält auch zahlreiche Photographien.
Siehe auch die
Zusammenstellung ihrer Vorfahren.
[§] Bei
Markus bedanke ich mich für den Hinweis auf die Taufe in Bazenheid: St.Josef war 1896 als Filialkirche von Kirchberg eingeweiht worden und erst ab 1900 eigenständige Pfarrei. Die Kirchenbücher sind nicht verfilmt und in der Folge findet sich auch kein Hinweis darauf im Katalog des Staatsarchivs.
Weitere Informationen zur elterlichen Familie enthält das
Bürgeregister Bütschwil, B, 218/1194.