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 Post subject: Galgen bei Sitterdorf TG
PostPosted: Thu 22. Mar 2012, 11:51 
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Joined: Mon 22. Aug 2011, 16:59
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Wo stand der Galgen des thurgauischen Malefizgerichts Sitterdorf? Kann dieser in der Nähe des Weilers Stocken gestanden sein? Gibt es noch einen Flurnamen, der daran erinnert? Besten Dank für die Aufklärung. Alexander


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PostPosted: Sat 31. Mar 2012, 23:59 
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Joined: Wed 13. Jul 2005, 06:48
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Sitterdorf hatte keinen Galgen auf seinem Gemeindegebiet. Im Ancien Régime gehörten im Gericht Sitterdorf beinahe alle gerichtlichen und hoheitlichen Rechte der Abtei St. Gallen, ausser eben das Malefiz, d.h. Delinquenten aus dem sanktgallischen Malefizgericht Sitterdorf musste das Pfalzgericht St. Gallen an die Landvogtei Thurgau ausliefern. Die Bestrafung erfolgte anschliessend bei Frauenfeld.

eritro


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PostPosted: Sun 1. Apr 2012, 09:31 
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Joined: Mon 22. Aug 2011, 16:59
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Danke für die zuverlässige Antwort. Dennoch: Ich habe zu einem Kriminalfall die folgende Beschreibung aus einer gedruckten Fahndungsliste für Diebe und Gauner von 1789: Der Gesuchte, ein Vorarlberger, "haltet sich alleweil im Thurgau, um Bischofszell herum auf, und viel bey seinem Schwager Toni, der nahe dem Galgen allda wohnet". Dieser Schwager Toni Dutli lebte auf dem väterlichen Hof in Eberswil, damals Gemeinde Gottshaus. Dort hat es also keinen Galgen gegeben und wäre der Hinweis in der Fahndungsliste somit ein Irrtum?
Gruss Alexander


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PostPosted: Sun 1. Apr 2012, 13:06 
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Joined: Wed 13. Jul 2005, 06:48
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Das Zitat scheint mir kein Irrtum zu sein. Die Stadt Bischofszell, die dem Bischof von Konstanz unterstand, hatte in ihrem Bann, dem Stadtgericht, einen Galgen, da das Stadtgericht sowohl für das Nieder- als auch für das Hochgericht zuständig war.

Vgl. HLS, Bd. 2, Bern 2003, S. 464, oder
Bischofszell (Gemeinde)

eritro


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PostPosted: Sun 1. Apr 2012, 22:08 
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Bischofszell erhielt 1485 von Kaiser Friedrich III. das Recht zur Aufrichtung von Stock und Galgen, das heisst die Blutsgerichtbarkeit auszuĂĽben: https://query-staatsarchiv.tg.ch/detail.aspx?ID=44054.

Aus meiner Schulzeit in Bischofszell kann ich mich erinnern, in der Heimatkunde gehört zu haben, dass der Galgen von Bischofszell im Iibrig (auch Yberg geläufig), am Hang zwischen Bischofszell-Nord und Humelberg-Hohentannen (735400/263000) gestanden haben soll und um 1800 entfernt worden sei. Heute Gemeindegebiet von Zihlschlacht-Sitterdorf.
In [Die Siedlungsnamen des Kanton Thurgau, Eugen Nyffenegger/Oskar Bandle, 1. Halbband S. 711] wird auf verschiedene Quellen zu Iibrig/Yberg hingewiesen.

Gruss John


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PostPosted: Mon 2. Apr 2012, 15:53 
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Joined: Mon 22. Aug 2011, 16:59
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Herzlichen Dank an eritro und an John. Die Spur führte immer näher heran. Jetzt ist der Fall klar: Wenn der Galgen im Iberg in Sitterdorf stand, dann stimmt das Zitat aus der Fahndungsliste von 1789 haargenau: Jakob Gutschner, mit Übernamen "Schlesinger Buckel", halte sich um Bischofszell herum auf, "und viel bei seinem Schwager Toni, der nahe am Galgen alda wohnet". Toni, genauer Anton Dutli, der noch 1785 in Eberswil in der damaligen Gemeinde Gottshaus lebte (und in Bischofszell taufen liess), hatte 1786 den Hof Iberg gekauft. Nach dem Ortswechsel wird die Familie Dutli-Gutschner bei den Taufen von 1787/88 in Sitterdorf als auf "Iberg" wohnend bezeichnet (die Dutli leben heute noch auf diesem Hof). Somit stand der Galgen wirklich gleich neben dem Hof. Und der erwähnte Galgen war nicht eine böse Anspielung auf den "Schlesinger Buckel", der ein echter Galgenvogel war.
Gruss Alexander Roth


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