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PostPosted: Wed 18. Jan 2012, 23:48 
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Liebe Leser
für einen Bekannten suche ich den folgenden Johann Joachim Friedlich (schlecht lesbar, andere Lesarten möglich), angeblich Bürgermeister und Rotgerber in St. Gallen um 1660.

"Eine Killinger-Tochter von Lindau hat am 21.10.1660 bei ihrer Verwandtschaft in Dinkelsbühl eine uneheliche Tochter Rosina zur Welt gebracht. Als Vater gab sie den Johann Joachim Friedlich (?), Bürgermeister und Rotgerber in St. Gallen, an. Der Familienname des Vaters ist im Dinkelsbühler Kirchenbuch undeutlich geschrieben."

Unter den Bürgermeistern auf der Website http://www.ass-stgallen.ch habe ich ihn nicht gefunden.
Gemäss Schweizer Familiennamenbuch käme wohl am ehesten die Namensvariante Friederich in Frage.
Wer weiss mehr zu dieser Person?

Vielen Dank und freundliche Grüsse, Rudi

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Schwerpunkte meiner Forschung sind meine Vorfahren aus Württemberg:
Zollernalbkreis zwischen Balingen und Albstadt, altes Amt Tuttlingen zwischen Schwenningen und Neuhausen ob Eck, Blaubeuren und Ulm


Last edited by Wolf on Thu 19. Jan 2012, 00:13, edited 2 times in total.
urspr. Titel: Friedrich/Friedlich/Friederich in der Stadt St.Gallen


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PostPosted: Thu 19. Jan 2012, 00:13 
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Die Schreibweisen waren damals ja noch nicht so festgelegt wie heute - aber es handelt sich auf jeden Fall um die Familie mit der heutigen Schreibweise Friederich.

In den "Bürgerbüchern der Stadt St.Gallen" werden jeweils (vor den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lebenden Namensträgern) wichtige Vertreter in früheren Jahrhunderten genannt. Ich zitiere aus der Ausgabe von 1887 (damals übrigens Friedrich geschrieben):
Konrad, Georg's Sohn, war der erste Obervogt der St.Gallischen Herrschaft Bürglen, 1580, und hatte während 25 Jahren (1576-1600) ununterbrochen als Reichsvogt, Amtsbürgermeister und alt Bürgermeister die höchsten Würden inne. Sein älterer Sohn Johannes erhielt 1621 die Obervogtei zu Bürglen, der jüngere Kaspar war 50 Jahre in städtischen Aemtern tätig und machte, "geliebt als friedliebender Herr und guter Justitiarius", den vorerwähnten 3jährigen bürgermeisterlichen Amtsturnus bis in sein 83. Jahr 7 mal durch; noch 1654 wollten kleine und grosse Räte seine Resignation nicht annehmen. Ihm folgte 1655-1660, in welchem Jahre er kassirt wurde, als Bürgermeister Kaspar's Sohn Hans Joachim, dessen älterer Sohn Otmar, ein Gerber, es noch bis zum Zuchtmeister (1676-82), ein Bruders-Sohn Hans Konrad (1661-66) zum Ratsherr brachte.

In der Ausgabe von 1990 sind die Angaben wesentlich spärlicher: Hans Joachim (1606-1679), Elfer, Zunftmeister der Schuster, Bürgermeister 1655-1660.

Die Linie stammte übrigens urspr. aus Esslingen (Württemberg) und erhielt 1520 das St.Galler Bürgerrecht.

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Wolf Seelentag, St.Gallen


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PostPosted: Thu 19. Jan 2012, 00:49 
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Hallo Wolf
Vielen Dank für diese ausgezeichneten Informationen; damit dürfte die Zuordnung geklärt sein.
Interessant wäre natürlich noch, warum er 1660 kassiert wurde. Wohl nicht wegen der Zeugung der unehelichen Tochter?
Oder war er etwa verheiratet und als die Anfrage aus Dinkelsbühl wegen seiner ausserehelichen Vaterschaft kam, nicht mehr tragbar?
Gruss
Rudi

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PostPosted: Thu 19. Jan 2012, 01:09 
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rudi wrote:
Interessant wäre natürlich noch, warum er 1660 kassiert wurde.

Mit etwas Glück findet sich dazu ein Hinweis in der "Stemmatologia Sangallensis", sonst vielleicht in den Ratsprotokollen.
Kommst Du je nach St.Gallen? Dann würde sich ein Besuch im Stadtarchiv (Vadiana) sicher lohnen.

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Wolf Seelentag, St.Gallen


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PostPosted: Thu 19. Jan 2012, 20:44 
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Hallo Wolf
nochmals vielen Dank auch für die weiterführenden Tipps.
Ich selber bin (leider zu) selten in St.Gallen, werde diese Informationen aber gern an meinen ursprünglich anfragenden Bekannten weitergeben.
freundliche Grüsse
Rudi

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PostPosted: Fri 20. Jan 2012, 16:51 
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Eine hilfsbereite Mitarbeiterin des Stadtarchivs hat auf meine Frage wie folgt geantwortet:
Quote:
Lieber Herr Seelentag
Volltreffer!
Er wurde wegen Ehebruchs von sämtlichen Ämtern ausgeschlossen. Die Lindauerin Barbara Killinger hatte in St.Gallen gedient und verliess im Herbst 1660 die Stadt fluchtartig und "mit geschrey", sie sei von einem honorigen Ratsmitglied schwanger. Daraufhin wurde, um den Gerüchten eine Ende zu bereiten, eine Untersuchung eingeleitet. In der Folge kam Hans Joachim Friedrich ins Gefängnis und wurde daraufhin aus sämtlichen Ämtern entlassen. Dies verraten die Ratsprotokolle: RP 1660, 25.9., 9. 10., 19. 10. und 1661, 29. 8.
In den Bürgerregistern wird als Grund seiner Amtsenthebung nur ein Ehebruch bzw. konkret "propter adulterium" genannt, ohne dass der Name der betreffenden Frau erwähnt wird.

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Wolf Seelentag, St.Gallen


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PostPosted: Fri 20. Jan 2012, 22:30 
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Hallo Wolf

Da kann ich nur wiederholen "Volltreffer" und meinen herzlichsten Dank aussprechen, auch im Namen meines Bekannten, hier seine eigenen Worte:
Hallo Herr Hauser,
vielen dank für diese erfreuliche Mitteilung. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Vergangenheit in der Schweiz dokumentiert und vor allem leicht zugänglich ist. Davon können wir in Deutschland nur träumen. Geben Sie diesen Dank bitte auch an Ihren Kollegen weiter.
Freundliche Grüße
Wolfgang Killinger


Insbesondere möchte ich Dich Wolf bitten, diesen Dank auch an die Mitarbeiterin im Stadtarchiv weiter zu leiten.
Viele Grüsse
Rudi

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