Ruetz aus Wildbad

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Franz Xaver
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Ruetz aus Wildbad

Beitrag von Franz Xaver » So 5. Aug 2012, 23:02

Liebe Listenfreund/innen,

habe die Anfrage eines Historikers, der zusammen mit Schülern ein Geschichtsprokjekt im Umfeld der Weißen Rose bearbeitet.

Dabei ist er auf das Schicksal eines Präzeptors/Schulmeisters/Lateinlehrers in Ulm gestoßen.
Er hieß Franz Heinrich Ruetz, geb. 24.5.1879 in Wildbad

Er wurde von den Nazis aus dem Schuldienst geworfen, weil er nach Aussagen der Schüler sinngemäß sagte: "Buben, jetzt ist der Hitler dran, der bringt Krieg und ganz Ulm geht einmal in Flammen auf!"

Der Geburtseintrag in Wildbad weist seine Elteren aus:
Vater: "der Schweizer Franz Xaver Ruetz, wohnhaft zu Wildbad, katholischer Religion"
Mutter: "Wilhelmine Philpippine Ruetz, geb. Wildbrett, ..., ev."

Was ich mich jetzt und natürlich Euch frage:

a) Ist mit "Schweizer" die Nationalität oder der Beruf Melker, Kuhhirte gemeint?
Beides könnte nämlich gleichzeitig zutreffen, zumal im vorletzten Jahrhundert einige Schweizer Staatsbürger die damals modernen Molke- und Milchkuren in verschiedenen Kurorten im Ausland einführten oder voranbrachten.

b) Gibt es dazu Quellen? Gibt es Verzeichnisse solcher Zuwanderer in den Kurorten?

c) Wer weiß etwas über den späteren Lebensweg des Franz Heinrich Ruetz, der 1933 von den Nazis aus dem Schuldienst geworfen wurde und 1934 verstarb?

En fraindliche Grueß
Franz Ruetz


Ciao
Franz

Wolf
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Re: Ruetz aus Wildbad

Beitrag von Wolf » Mo 6. Aug 2012, 10:52

Fuür die Suche nach Quellen in der Schweiz existiert ein eigener Thread.

Hier bitte nur Quellen in Deutschland bzw. den weiteren Lebensweg diskutieren!


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Franz Xaver
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Re: Ruetz aus Wildbad

Beitrag von Franz Xaver » Di 4. Sep 2012, 21:51

Der Geschichtslehrer hat inzwischen eine hochinteressante Akte beim Landesarchiv Baden-Württemberg eingesehen.
Danach hat die gleichgeschaltete Schulverwaltung innerhalb kürzester Zeit Heinrich Ruetz vom Oberpräzeptor zum Präzeptor degradiert und mit Hilfe von ärztlichen Gefälligkeitsgutachten untauglich geschrieben.
Innerhalb weniger Monate degradiert und "durch Entschließung des Herrn Reichsstatthalters vom 25.9.33 ... aus dem Dienst entlassen worden". Ab 1.1.34 Ruhestandsversorgung auf 3/4 gekürzt, d.h.180 RM/Mon. für sich, Frau und Sohn Wolfgang.
"Danach waren seine Nrerven so zerrüttet, dass letzten Endes sein Tod im Jahre 1934 darauf zurückzuführen war", sagt seine Witwe im Jahre 1952. Sie erhält ab Juli 1953 eine Wiedergutmachungsleistung. Dem voraus geht ein peinliches Gezerre, weil die Witwe die Basis Oberpräzeptor wollte. Das Ministerium sperrte sich, weil das nicht nachzuweisen sei.

Herkunft des Vaters, siehe St.Gallen/Appenzell

Viele Grüße
Franz Ruetz


Ciao
Franz

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Ruetz aus Bad Wildbad

Beitrag von Säntis » Do 17. Aug 2023, 08:26

Grüezi Franz Ruetz,
Am 16.08.2023 schrieb Franz Xaver im Thread Rutz von Appenzell AI:
… ist vom Autor wohl falsch benannt und "verortet". Nicht "Wildbad-Gastein" in Österreich war die neue Heimat, sondern Wildbad im Schwarzwald, heute: Bad Wildbad!
… Hab bis jetzt leider noch nicht mal Nachfahren dieses aufrechten Nazi-Gegners und Opfers der zweiten Generation gefunden.

Vielen Dank für die Auskünfte.

Dem Beitrag vom 04.09.2012 ist zu entnehme, dass Heinrich Ruetz zumindest einen Sohn Wolfgang hatte.
Es wäre natürlich auch aus schweizerischer Sicht interessant, mehr über eine allfällige Nachkommenschaft zu erfahren.

Handelt des sich beim Historiker und Geschichtslehrer, der Ihre Anfrage vom 05.08.2012 auslöste, um den Autor der folgenden Arbeit?
Michael Kuckenburg, Daraus erwuchs bei uns Opposition, in unterrichtspraxis, Beilage zu "bildung und wissenschaft" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg, Heft Nr. 5, 20.09.2013, 46. Jahrgang.
Die Geschwister Scholl lebten lange Zeit in Ulm. In ihrem Umfeld gab es eine Schülergruppe, die sie aktiv unterstützt hat. Alle ihre sechs Mitglieder besuchten dieselbe Schule. Welche Bedeutung hatte die Schule für die Entwicklung des widerständigen und zivilcouragierten Verhaltens?
Seite 3:
Zu Beginn der NS-Herrschaft ist das Kollegium des Ulmer Gymnasiums, insgesamt gesehen, konservativ-nationalistisch, dabei aber erstaunlich naziresistent. Zu den 16 ständigen Lehrern gehören: … Heinrich Ruetz, wie Wild Mitglied der DDP und zusätzlich des republikanischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold … Die meisten anderen bekennen sich zumindest nicht zur NSDAP. Der einzige ausgewiesene Nazi-Sympathisant heißt Richard Aich und ist Zeichenlehrer. Noch im Frühjahr 1933 wird er konsequenterweise der NSDAP beitreten. … Zu diesem Zeitpunkt sind zwei Kollegen unfreiwillig aus Gymnasium ausgeschieden: Der Zentrumsabgeordnete Alois Küchle wurde auf Weisung von Kultminister Mergenthaler "nur" an das Realgymnasium versetzt. Schlimmer traf es Heinrich Ruetz, der im September 1933 aus dem Schuldienst entlassen wurde.
Seite 7:
Heinrich Ruetz (1879-1934) unterrichtete seit 1915 als Oberpräzeptor die unteren Klassen in Latein. Er gehörte seit 1905 der liberalen Partei an und – was ihm beruflich das Genick brechen sollte – seit 1926 dem republikanischen "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", das sich gegen die SA gegründet hatte. Ruetz war damals sicherlich der entschiedenste Demokrat am Gymnasium, dafür sprechen zahlreiche Schüler-Erinnerungen aus der Zeit vor 1933. … Am 25.09.1933 wird Heinrich Ruetz entlassen und erhält ab Januar 34 eine auf 3/4 gekürzte Ruhestandsversorgung (180 Reichsmark/Monat). Im Mai 1934 stirbt er an den Folgen einer Gallenoperation. Das Kultministerium teilt später seiner Witwe mit, die Entlassung sei 1933 "durch Entschließung des Herrn Reichsstatthalters" erfolgt.

Digitalisat auf einer Webseite von die klepfer, Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Wegbegleiter.

Bochtella



Franz Xaver
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Re: Ruetz aus Wildbad

Beitrag von Franz Xaver » Do 17. Aug 2023, 15:04

Grüezi Bochtella,

ja, genau das ist die Geschichte des Kollegiums im Ulmer Gymnasium in der Nazi-Zeit, die Herr Kruckenberg mit seinen Schüler.innen aufgearbeitet hatte. Und während dessen hatte er eben mich gefragt, ob ich den Lebensweg von Heinrich Ruetz kenne. Seine Vorfahren hab ich ja dann in Steinegg/AI gefunden. Schade, dass ich eben keine Nachfahren ausfindig machen konnte.
In einem vorläufigen Artikel des Kruckenberg war damals auch ein sehr verschwommenes Bild von Heinrich Ruetz enthalten. Dass ausgerechnet vom tapfersten und aufrechtesten Nazi-Gegner und frühesten Nazi-Opfer an der Schule nur so ein schlechtes Bild verfügbar war, hate er sehr bedauert. Auch hier konnte ich Herrn Kruckenberg leider nicht helfen.
Franz Xaver


Ciao
Franz

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Ruetz aus Bad Wildbad

Beitrag von Säntis » Sa 19. Aug 2023, 07:28

Grüezi Franz Ruetz,

für die zusätzlichen Informationen wiederum vielen Dank.

Gute Forscherwünsche aus der Schweiz

Bochtella



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